Die Feinde der Schafe sind…

Im Internet begegnet sich der Mensch selbst. Ein Kaleidoskop aus Milliarden Bildern und Wörtern. Nicht wenige haben auf diesem Weg eine neue Identität gefunden. Auch die Institutionen. Die vielgehasste Überwachung des militärisch-industriellen Komplexes, also der Verbrüderung der Hochtechnologie mit staatlichen Behörden, ist ein Lackmus-Test für den Umgang der Politiker mit dem Wahlvolk. Über Nacht wurden Verschwörungstheoretiker zu faden Realisten. Das passiert nicht zum ersten Mal.

Als ein halbes Jahr vor den Snowden-Enthüllungen der umstrittene Julian Assange sein neues Buch auf einer Webkonferenz in Hannover vorstellte, war man ratlos ob der Düsternis, die er verbreitete. Ähnlich wie ihm war es denen ergangen, die Gentechnik oder Zuckerersatzstoffe als lebensgefährlich brandmarkten. Es ist nicht erwünscht, die heilige Einfaltigkeit aus gutgekleideter Dummheit und leistungsoptimierter Sklaverei mit störenden Buhrufen zu stören.

Und wie ein weiser Mann einmal riet, sollte die Empörung einen Wandel herbeiführen. Aber das blieb aus. Denn Empörung ist ein Ausdruck der Ohnmacht. Und wie in allen Fällen der immer schneller kaskadierenden Skandale ist das Heft des Handelns sehr selten in den Händen der Masse. Es ist auch nicht in der Hand der Politiker. Auch das wissen Zeitgenossen mit einigen Dekaden auf dem Buckel schon etwas länger. Das Heft des Handelns wird immer im Verborgenen beschrieben.

Gibt es etwas Neues am aktuellen Umgang mit der Willkür der Institutionen, die sich nicht um Recht und Rechtsstaatlichkeit kümmern? Nun, genauso wie beim Thema Gesundheit oder Entfaltung der Persönlichkeit, kann man mit dem Begriff der Sicherheit das Volk der Schafe am Nasenring durch den Ring führen. Die Hunde zucken mit den Achseln und werfen einen beliebigen großen und möglichst abstrakten Begriff in den Raum, der eine formidable Projektionswand für eine gute Gesinnung darstellt. Und fortan stürzen sich die Schafe auf diese Leinwand und blöken rechtschaffen und engagiert durcheinander. Alle tragen fortan den Harnisch der Moral und sind gewappnet gegenüber dem Fuchs, und auch das Bellen stört gar nicht mehr. Ist es doch Ausdruck der Sorge angesichts der Raserei der Füchse. Derweil machen sich die Hunde daran, die ersten Tiere zu häuten und auszubeinen.

Diese minimalen Opfer sollen den Fuchs von der Herde weglocken, ist die vielzitierte Saga, die Kritikern gern erzählt wird. Die Demokratie ist verkommen von einer Herrschaft der Schafe zu einer Herrschaft zum Besten der Schafe. Leider können sie selbst nicht erkennen, was das Beste ist, sagt man. Nur die Hunde haben genug Abstand zur Herde. Nur sie können wirklich mit Weitblick erkennen, dass die Leitrüden am Waldrand zusammen mit dem Fuchs einen herrlichen Lammbraten genießen.

Epilog:

Der gemeine und räudige Fuchs oder gar der Wolf wäre nicht so gefährlich für die Schafherde, wenn nicht andauernd sein Jagdrevier mit Downhillbikern, Picknickern und Wanderern sowie der Holzwirtschaft begrenzt würde. Das gemeine Böse ist nicht selten das in die Ecke gedrängte Tier. Aber diese Erkenntnis ist den professionellen Sicherheitsbediensteten nicht zugänglich. Sie können den Grund für ihre Institutionen und Behörden nicht hinterfragen, weil es deren und damit ihre Existenz gefährden würde. Die Selbsterhaltung der Institutionen ist in vielen Fällen das größte Übel der Zivilisation.

Quelle: pixabay


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