Apr 5 2020

Die Corona-Gebote

Alle sind schlauer geworden. Manche waren schon vorher schlau. Aber trotzdem gab es Mangel. Viel Mangel: Es fehlte an Schutzkleidung, es fehlten Daten, es fehlte Wissen. Und es fehlte Erfahrung. Aber vor allem taten sich alle schwer damit, Daten, Wissen und Verhalten zu sinnvollen Entscheidungen zusammen zu führen. Einsicht wäre das Gebot der Stunde. Doch wer das weit verbreitete Geschrei nach besseren Zahlen und Statistiken beobachtet, kommt nicht zu Unrecht auf die Idee, dass sich dahinter dieselbe Kontrollillusion verbirgt wie hinter dem Hamstern von Klopapier….

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Okt 11 2013

Breaking Bad Mixtape 2,5h

Eine Serie zum Hören? Fast.

BAd BReaks | A Breaking Bad Mixtape by Dj Bobafatt on Mixcloud


Jul 24 2011

Boulevardjournalismus zweiter Ordnung

Die Aufklärung ist der heilige Gral vieler professioneller Informationisten. Vor allem Journalisten und Publizisten tragen ihre Insignien im eigenen Wappen, wenn es zu Felde geht. Wenn man aktuell die sozialen Netzwerke und Zeitungen durchforstet, findet man viele, die vorschnelle Ursachenzuschreibungen geißeln. Einige sind besonders weit voraus und erkennen den Unabomber im Manifest des norwegischen Attentäters.

Sie werden bald arbeitslos. Denn exakt diese Tätigkeit übernimmt schon der Computer. Das Erkennen von Mustern anhand von Texten. Dann werden bestehende und dokumentierte Fälle rausgesucht und wie im amerikanischen Case Law wird einfach subsummiert. Und ganz im Sinne der positiven Sozialwissenschaften wird die Erklärung gewählt, die die geringsten Annahmen und Parameter voraussetzt. Neuerdings (seit den 80ern) werden prägende historische Überlieferungen, die nicht reflektiert sondern perpetuiert werden ab einem bestimmten Stadium als Pfade bezeichnet. Solche Pfade tun sich hier auch wieder auf. Die Aufklärung, die angetreten war, die Leute anzuleiten, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen ist verkommen zu einem Pfade entlang der Laternen, die schon jemand hingehängt hat. Das ist aus Sicht des Journalismus fatal, weil ständig Bekanntes auf neue Einzelfälle angewandt wird. Der Wert dieser Texte geht gegen null. Das Gehirn des Lesers erhält keine neue Perspektive auf Altbekanntes sondern alte Perspektiven auf Neues… Hier weiterlesen


Jul 18 2011

Herr Biedermann besucht die Brandstifter

Viele Monate lang war es still um Herrn Also. Das war auch ganz gut. Hatte er doch einer germanischen Tradition gemäß die Daten naturwissenschaftlicher Forschung in einer Weise gedeutet, die große Kontexte erstellte: Das Denken sei vom Gen abhängig und eine bestimmte Religion und eine bestimmte Herkunft würde negative Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg haben. Vor allem in großen Städten würden die falschen Gene eine mentale Tollwut auslösen. Akademisch arbeitende Biologen und Sozialwissenschaftler waren überrascht ob der Haltlosigkeit und des lächerlichen Dilettantismus der Thesen und Konklusionen. Aber Lamarck war ja auch einst ein erfolgreicher Denker, warum nicht auch Herr Also mit seiner genetischen Intelligenztheorie? Hier weiterlesen


Jun 20 2011

Social Blase und Alfred North Whitehead

Es kursieren enorme Zahlen durch die Welt der Medien, wenn es um den bevorstehenden Börsengang (IPO) von facebook geht. Allerorten tauchen dann Experten auf, die von solchen Wetten an der Börse abraten. Ältere Semester verweisen auf das bereits erlebte Platzen der ersten Web-Blase vor 10 Jahren. Aber damals waren noch nicht solche Summen im Markt. Denn seit der Finanzkrise investieren Banken nicht mehr, indem sie Firmen und Staaten mit Schulden überhäufen. Es gibt daher Fantastilliarden freies Kapital, und das muss einer Vernichtung zugeführt werden, sonst platzen die Konten mit untätigem Geld und damit das System. Die Motive liegen etwas weiter zurück… Hier weiterlesen


Mai 19 2011

Wie man Schwarmintelligenz nicht erforschen kann

Forscher an der ETH Zürich meinen, einen Nachweis erbracht zu haben, dass sozialer Einfluss die Intelligenz der Vielen (Schwarmintelligenz) verschlechtern kann. Jan Lorenz und Heiko Rauhut extrapolieren aus ihren Studien die These, dass die Finanzkrise ein besonders gutes Beispiel dafür sei, dass Massenentscheidungen zu einem Fiasko führen können. Denn dort hätten sich viele unter dem Einfluß fremder Entscheidungen in die „falsche“ Richtung beeinflussen lassen.

Der locus classicus des Begriffs kommt aus England, wo Anfang des 20. Jahrhunderts Francis Galton alle Besucher einer Viehzuchtversteigerung die Viecher per Karte nach Gewicht und Größe schätzen ließ und zu seiner Verwunderung feststellte, dass im Mittel die Schätzungen näher am richtigen Wert lagen als die einzelnen Schätzungen für sich genommen. Damit war der Beweis erbracht, dass die Masse klüger war als das Individuum.

Der weise Leser wird merken, dass hier das Mittel des Grundgesamts aller Schätzungen verglichen wird mit zufälligen einzelnen Bewertungen. Analog könnte ich sagen, ich kann eine bessere Aussage über die Klimazone eines mir unbekannten Ortes machen, wenn ich ein Jahresmittel der Temperatur habe als wenn ich einen beliebigen Wert aus dem Jahr nehme. Natürlich ist der Mittelwert aussagekräftiger, weil die Extremwerte wegfallen, was als Fehlerkorrektur zu bewerten ist. Bei einem einzelnen Wert kann ich gar keine Fehlerkorrektur ausführen…

Aber schon wenn man die Welt der quantitativen Aussagen verlässt und qualitative und kategorische Alternativen als Problemlösung einer Aufgabe zulässt, fällt das gesamte Kartenhaus der Statistik in sich zusammen. Denn es wird klar, dass Wissen und Probleme nur bedingt etwas mit besten und schlechten Lösungen zu tun haben. Jeder Mensch fasst einen Sachverhalt anders auf. Insofern sind Probleme auch immer vor dem individuelle Verstehenshorizont zu sehen. Statistische Forschung um die Qualität von Entscheidungen zu betreiben hat daher einen besonderen Haken. Der jeweilige Hintergrund des individuellen Vorwissens kann und soll gar nicht einfließen.

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Mai 17 2011

Wir müssen nur wollen

Neulich erlebte ich eine seltsame Begebenheit. In zwei Online-Ablegern von bekannten Zeitungen gaben sich zwei fast bekannte Erklärer der digitalen Sphäre ein Stelldichein. Bei ZEIT Online tönte ein ranghoher IBM-Manager namens Dueck, „Wir müssen lernen, Jedi zu sein„. Der Buchautor Lobo wandte sich etwas distanzierter gleich an die ganze Gesellschaft. Sie müsse „auf das anwachsende, aufgeblähte, verschwörungsdurchseuchte Wissensarchiv, auf die Query-Realität, auf die unbewusste und algorithmische Filterung der Informationen reagieren„.

Offenbar haben sowohl Shirkys universale Filter versagt als auch das Imperium die Macht übernommen. Hier weiterlesen