Jan 25 2010

Der Mensch denkt, das Google lenkt

Nachdem Iran seine Revolution (nicht) hatte, Michael Jackson schon länger seine Ruhe genießen darf, ist die Meute der Meinungsbesitzenden weiter gezogen. Da gerade kein Skandal in Sicht war, hat man sich wieder auf die großen Firmen gestürzt, die aufgrund ihrer jüngsten Geschichte am meisten Sediment aufgewirbelt haben. Eine von denen ist das Unternehmen aus Mountain View. Da Google sich überall dort aufhält, wo früher der umherziehende Barde die Geschichten aus 1001 Nacht zum Besten gab, sind das heute die schneidenden Kanten der Medienwelt.


Die Bevölkerung bekommt von Google nichts mit. Weder am Fernseher, noch beim Lesen der Zeitung während des Morgenkaffees noch beim Tatort am Abend. Auch beim Fußball, der Formel 1 oder im Puff gibt es kein Google. Grund genug für viele Schreiber, die marktbeherrschende Stellung des Informationsimperiums in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Und bei diesem leicht anmutenden Thema kommt es dann zu Verwerfungen. Denn die Kalifornier wollen laut eigener Aussagen das Wissen der Welt auf ihren Servern versammeln. Mindestens wollen sie wissen, wo es steht. Sie meinen damit alle Buchstaben, die je ein Mensch in die Tasten gehauen hat, alles Geschreibsel, dass je auf Papier getrocknet ist und zusätzlich alle ASCII-Zeichen dieses Planeten.


Dabei müssen sie natürlich diesen Wunsch finanzieren. Bei genau Betrachtung der Renditen einzelner Industriezweige sind ihnen drei Branchen aufgefallen, die hohe zweistellige Renditen sei Jahrzehnten abwerfen: Medien, Energieanbieter und Banken. Von den Medien haben sie zunächst das Geschäft der Werbung übernommen, um den Grundumsatz der allwissenden Müllhalde zu garantieren. Keiner ahnt, was Hundertschaften von Serverfarmen verfrühstücken – außer Facebook vielleicht. Wenn es aber nicht reicht, alle Websites, die mehr als 100 Besucher am Tag haben, mit Textanzeigen vollzupflastern und die Wegweiser des Internet mit Werbung zu bekleben, dann muss man natürlich dahin, wo noch keine Werbung klebt. Das ist das Handy und jeder Ort wohin es mitgenommen wird. Es wird der Fernseher sein, der Internet anzeigt und mobile Displays am Gürtel, in der Schminktasche, an der Mütze oder am Schuhabsatz.

Und dann? Dann wird Google zum Energieriesen, weil alle glauben, dass Elektroautos der Renner sind. Denn wenn ein paar reiche Familien auf der arabischen Halbinsel mehr als die Hälfte Europas besitzen, nur weil sie ein paar Jahrzehnte lang Öl verkauften, dann wird Google sich um die nächsten Jahrzehnte kümmern. Denn – wie gesagt – der Werbemarkt finanziert nur den Grundumsatz der allwissenden Müllhalde. Selbst denken kann sie erst, wenn das Äquivalent von 12 Atomkraftwerken ein künstliches Gehirn aus 127651726517625172651725617256172651726517265 parallelen 64-Kern-Prozessoren antreiben kann, dann wird Google überhaupt erst die Augen aufschlagen.

Ach, und wenn man via Google mit seinem Handy einen Einkauf mit einem Klick oder Laut seines Besitzers bezahlen kann, werden schon 376 Banken ins Grass gebissen haben wegen des mobile payment.


Und dann schaut uns all das an, was wir nicht geschafft haben, vor Google in Sicherheit zu bringen. So wie die Touristen in den Urlaubszentren beim Schwimmen alte Bekannte wieder finden, die sie nach dem Frühstück verabschiedet hatten. Denn dann fliegt uns all das um die Ohren und Augen, was jemals jemand niedergeschrieben hat. Die Gedanken werden in Muster zerlegt, analysiert, neu verknüpft und als Menschheitswissen für teures Geld an uns zurück verkauft.


Dass viele Verleger und Sender jetzt Probleme mit demjenigen haben, der der natürlich Feind jedes Filterns ist, erscheint klar. Google will alles lesen! Aber dann, wenn Google genau wissen wird, was wir zu jedem gegebenen Zeitpunkt unseres Lebens als Information brauchen werden, dann wird auch den Politikern und den Experten und den Lehrern klar, dass die nächste Zeitrechnung angebrochen sein wird: Nach der Landwirtschaft und der Industrie wird nun die Dienstleistung zu einem exorbitanten Prozentsatz von der allwissenden Müllhalde rationalisiert, koordiniert, geordnet und verordnet werden. Computer werden die Menschen mit Aufgaben betreuen, die ihr Gedächtnis verbessern, sie werden den Menschen Aufgaben geben, die die allwissender Müllhalde nicht allein verrichten kann und am Lebensende werden die Menschen mit Computern und Reaktionsübungen an der Demenz gehindert, die ihnen Linderung über sinnlose Leere ihres Lebens hätte verschaffen können.


Es geht nicht darum, einfach Märkte zu besetzen, die hierarchisch organisierte Firmen aufgrund mediokren Strategiemanagements und mit Zuckerbrot und Peitsche einfach brach liegen lassen. Es geht auch nicht darum, den Politikern und ihren Besitzern aus dem Hoch- und Geldadel einen Strich durch die Rechnung zu machen: Es geht um das ureigene Programm des Guten Menschen: Bring Erleuchtung in jede Hütte. Nur, was Buddha als den mittleren Weg bezeichnete, ist bei Google das Fokussieren auf alles, was Buchstaben hat.


Rettung naht. Die Wissenschaft hat schon längst festgestellt, dass Aufgeschriebenes nichts mit Wissen zu tun hat. Denn der Code der Wörter enthält nur den Teil des Wissens, der von der eigenen Erfahrung, den eigenen Erlebnissen abstrahierbar ist. Die Bedeutung der Wörter erschließt sich also erst, wenn man die historischen gesellschaftlichen Parameter und den persönlichen Zustand des Autors beim Niederschreiben zur aktuellen Situation des Lesens hinzuaddiert. Das ist eine einfach Aufgabe für Menschen. Für Maschinen ist das niemals lösbar, weil ihre Gehirne keine Subjektmodelle selbst entwerfen können. Ihre Aufnahmekapazität ist viel zu groß. Der menschliche Geist kann nicht viel auf einmal wahrnehmen, daher lernt er jeweils nur Differenzen zu dem, was er schon einmal gesehen oder gehört hat. Dies erfordert eine mehrwertige Logik im Rechner. Aktuell können wir davon ausgehen, dass die Computer in ungefähr 2000 Jahren in der Lage sind, so ein wachsendes Modell der Welt in parallem Lernen in Differenzen zu schaffen: Dazu bräuchte man allerdings erst einmal ein taugliches Modell einer mehrwertigen Logik, deren Dimensionen einerseits heterarchisch und andererseits vieldimensional sein müsste. Das könnte die Mathematik sicher in einigen hundert Jahren schaffen. Bis dahin beoachten wir, wie Google den Weg alles Irdischen geht. Erinnern sie sich noch an die Weltherrscher Watson, Edison, Bell, etc. pp.

Bildnachweis: jeltovski

Crosspost von blogiloten.de


Jan 15 2010

Wenn Netze werken

Der Aufenthalt und die Nutzung sozialer Netzwerke im Web werden immer wichtiger – sowohl auf individueller wie auch auf organisatorischer Ebene. Das passiert nicht zur Zufriedenheit aller. Widerstände und negative Reaktionen auf diese Netzwerke und ihre umfangreichen Potenziale sind keine Seltenheit. Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, hat vor ein paar Tagen das Ende der digitalen Privatsphäre ausgerufen und das Echo war geteilt. Das ist kaum verwunderlich. Nach einer bizarren Änderung der Nutzungsbedingungen im letzten Jahr hatte gerade Facebook eine sehr fein granulierbare Rechteverwaltung für hochgeladene Inhalte eingeführt. Das macht das ökonomische Nutzen der riesigen “Kundenzahlen” nicht eben einfacher. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Scam- und Hoax-Gruppen, die nichts anderes tun, als bei den sozialen Netzwerken ihre Werbebotschaften unter das Volk zu bringen.

Eigentlich kommt die Idee hinter diesen Netzwerken aus dem klassischen Verhalten, das wir schon seit Jahrzehnten im Geschäftsverkehr kennen: Endlose Kontaktlisten mit unzähligen Visitenkarten zu erstellen, um die eigenen Interessen mithilfe eben dieser vielen Personen durchzusetzen. Die Visitenkartenschnüffler haben schon früher durch intensive Sammelaktivitäten und aufgeregtes Schleimen von sich reden gemacht.

Was viele bisher nicht verstanden haben: Es geht eben in dieser enorm schnellebigen Zeit nicht mehr darum, einfach endlose Listen von Kontakten zu sammeln, sondern sich genau diejenigen Leute auszusuchen, von denen man aktuell viel lernen kann und mit denen man gemeinsam Probleme lösen kann. Verfügbare und offene Menschen mit den Fähigkeiten, die im Moment substanziell sind für eine Aufgabe, gilt es zu finden und zu binden. Die Kontakte an sich sind nicht besonders wertvoll – es geht um die Teilnahme an bestimmten Informationsumgebungen, Wissensflüssen und Experten-Communities. Die finden aber in den sozialen Netzwerken gar nicht statt. Dort geht es zumeist sehr privat zu. Manche sind sogar überlaufen von freelancern auf der Suche nach Aufträgen.

Mann kann aber in den ganzen Diskussionsforen, Gruppen, Fanseiten und Plattformen gar nicht erkennen, welche Fähigkeiten jemand “mit der Hand am Arm” – also im Projekt hat. John Hagel III fasst dies darin zusammen, dass er das Dilemma darin sieht, dass man via sozialem Netzwerk gar nicht auf das stille Wissen (tacit knowledge) also das Hintergrundwissen einer Person zugreifen kann, weil es sich eben gerade nicht in Zertifikaten und dem Auflisten von Stufen der beruflichen Laufbahn wiederspiegelt. An derselben Stelle, können unterschiedlich Menschen völlig diametral unterschiedliche Erlebnisse und Erfahrungen mitnehmen und diese wiederum ganz anders später umsetzen.

“weak ties” können nur durch gemeinsame Erlebnisse fruchtbar werden

Um solche Einschätzungen von Fähigkeiten vorzunehmen, nutzen “weak ties”, also lose Bindungen überhaupt gar nichts, weil man jemanden nur präzise einschätzen kann, wenn man sie oder ihn lange kennt. Große Datenbanken mit umfassenden Tabellen über Menschen helfen dabei wenig.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die eigene Attraktivität. Ist eine Firma oder ein Projekt nicht nur erwünscht sondern erhofft oder gar als Auszeichnung bewertbar, dann leisten die Menschen ganz anders. Da helfen auch finanzielle Anreize wenig. Viele verstehen deshalb auch nicht, warum die – in qualitativer Hinsicht nicht immer überzeugenden, aber immer sehr teuren – Produkte von Apple einen reißenden Absatz finden. Sie sind einfach sehr attraktiv.
Wenn man das falsch versteht, dann wird Netzwerken zu einem schleimenden Manipulieren von künstlichen menschenähnlichen Profilneurotikern. Denn wenn der attraktiven Fassade keine attraktive Substanz entspricht, entsteht Wut, weil man den Betrug – und dadurch eine persönliche Beleidigung – spürt.

Aber es ist genau der andere Ansatz, der sowohl Apple (zumindest in Teilen) als auch den erfolgreichen Netzwerkern zum Erfolg verhilft: Es geht um das neugierige Herantasten an die Bedürfnisse des Gegenübers. Wie aber erfährt man die wirklich wichtigen, oft verletzlichen Schwachstellen einer Person? Es ist einfach, aber für moderne karrierebewußte Menschen fast unmöglich: Man muss sich selbst als halbgar, als unfertig, als verbesserbar darstellen und eigene Schwächen offen darlegen. Nur so ermöglicht man es dem Anderen sich auch in seiner ganzen Breite zu öffnen. Nur wer verletzlich ist, ist attraktiv für andere Verletzliche. Und auf dieser Basis kann ein offener Dialog über die klaren Anforderungen in einer gemeinsamen Kooperation entstehen. Das ist Netzwerken im postheroischen Zeitalter. Leider verstehen manche diese Offenheit als Dummheit und dreschen ihre Performance-Phrasen.

Wenn man aber erst einmal gemeinsamen Grund gefunden hat im Unperfekten und Verbesserungswürdigen, dann kann man gemeinsam die Stärken bündeln, und diese Schwächen angehen. Eine bessere Ist-Analyse als der neugierige und offene Umgang mit anderen ist kaum denkbar und zugleich die beste Basis für fundamentale Besserung. Denn wer sein Hintergrundwissen nicht genau kennt – und das trifft auf uns alle zu – der ist erst bei einer offenen Schilderung der Lage dazu imstande, seine Fähigkeiten und sein Wissen in praktischer oder theoretischer Hilfe einzusetzen. So funktioniert auch gutes Selbstmanagement.

So ganz nebenbei finden so auch fruchtbare Beziehungen statt, weil auf dieser offenen Basis auch Vertrauen entstehen kann. So eine Kooperation, die mit einer konstruktiven Arbeit auf der Basis eines offenen Umgangs realisiert wird, bindet die losen Enden von Personen anhand von gemeinsamen Erfahrungen zu einem echten Netzwerk, dass intuitiv sich immer an denjenigen wendet, der in bestimmten vergleichbaren Situationen die Sache zum besseren wendet. Diese Offenheit und Neugier ist ein soziales Netzwerk, das ohne Strom und touchscreen enorme Erfolge zeitigt. Und Facebook, Xing und Konsorten können das bleiben was sie sind: Gestelle die diese Qualitäten aufnehmen können, aber nicht hervorrufen.
Bildnachweis: Clara Natoli


Jan 8 2010

Der Geist in der Lampe

Photo: Clara Natoli

Turin ist die Hauptstadt der Magie. Heutzutage tragen die Magier statt schwarzer Kutten vermehrt weiße Kittel. Ob sie eine Hauptstadt haben, ist nicht bekannt. Aber streiten können sie. Man munkelt, es gäbe einen ausgewachsenen Geschwisterzank zwischen Neurowissenschaften und der Psychologie. Genauer genommen dürfen die Psychologen mittlerweile den hoheitlichen Herrschaften über die Hirnbilder assistieren. Seltsam, in den Achtzigern waren die Psychologen so stolz, dass sie in einigen Unis zum Fachbereich der Naturwissenschaften qua Biologie hinzugehörten. Und nun wollen Sie als Zwitter zwischen den Geistes- und den Naturwissenschaftlern im Niemandsland der Wissenschaft dahin vegetieren? Dabei war das Erleben und Verhalten ihnen doch immer so als Untersuchungsgegenstand eingebrannt, dass man ihnen mit keiner geisteswissenschaftlichen Problematik kommen konnte, da sie per naturwissenschaftlichem Methodenkanon nur eine sehr objektive Sicht auf die Welt vertraten durften/wollten/konnten – abgesehen von den Konstruktivisten. Die hatten die subjektive Weltschöpfung kurzerhand zum Kulturgut erklärt. Aber leider gibt es weder Bilder von der Subjektperspektive noch vom persönlichen Horizont. Grenzen des Wissens und Fühlens sind ganz schwer in der Magnetröhre zu finden.
Statistik war und ist – genauso wie bei den Sozialwissenschaftlern – der Überbringer der mystischen Substanz namens Evidenz. Ganz dem modernen Weltbild verhaftet, leitete sich Wahrheit aus statistischen und damit intersubjektiv nachrechenbaren Daten ab. Die Deutungstätigkeit an sich wurde durch Begriffe wie Faktorenanalyse etc. in den Bereich der mathematischen Genauigkeit hineingewünscht. Mentale Repräsentation oder gar Qualia (Sinneseindrücke) waren höchstens Elemente der persönlichen Beschreibungsebene der Probanden. Da sie nur persönlich auftreten, sind sie quasi ein Privathobby der Menschen und für wissenschaftliche Studien uninteressant. Versuchsleiter, Doktorväter oder gar habilitierte Methodiker waren und sind frei von solcherlei Kontingenz. Wenn Camus sagt, dass er das Leben studiere, dann können sie nur lächeln ob solcher Narreteien. Sowas macht bei uns die Bio(techno)logie.

Nun also, kurz vor der öffentlichen Amnesie der ehemaligen Pophelden des Denkens, haben die ehemaligen Hilfswissenschaftler (Neurobiologen) der Psychofront ihrerseits zum Sturm im Wasserglas geblasen und der Wahrheit qua Statistik die nicht minder evidente Wahrheit qua Imago durch PET/MRT gegenübergestellt. Bildgebende Verfahren stellen physiologische Prozesse dar und sind damit viel näher an den HARTEN naturwissenschaftlichen Methoden der Biologie und der Physik als die Psychologen des goldenen Statistikkalbs. So haben die sich gebeugt und helfen jetzt eilfertig beim Kartographieren des Bewußtseins. „Die Karte ist nicht das Terrain“ möchte man ihnen zurufen.

„Je Messgerät desto Wahrheit“ könnte das Credo lauten. Zusätzlich haben Philosophen als neue Materialisten die Lobotomieforschung und anderes als Evidenzbringer gefeiert. Das fundamentum inconcossum ist natürlich mithilfe der neuen Bilderwelten gefunden worden: Das Denken findet tatsächlich im Gehirn statt, weil dort veränderliche Prozesse je Zeiteinheit beobachtbar sind, während der Träger des Gehirns bekannte Gesichter, schreckliche Fratzen oder ähnliche emotional Aufgeladenes beobachtet. Damit sind sie ähnlich nahe dran, wie diejenigen, die menschlichen Gene durch meterlange AACGATC-Listen erklärt udn ausgedeutet haben wollen.

Damit hat sich natürlich auch gleich der freie Wille verabschiedet, denn wer physiologisch auf Reize reagiert und damit vorhersagbar in bestimmten Regionen des Gehirns leuchtende Felder produziert, ist vollkommen durch diese Prozesse determiniert.

Ich finde das nicht vollkommen einleuchtend. Ihr Psychologen dieser Welt: So einfach kann nur die Erklärung desjenigen sein, der die Welt erklärt ohne den Vorgang selbst zu reflektieren – und das soll mal einer objektiv machen. Das man dabei wie auch bei der abenteurlichen Deutung von PET-Bildchen einen infiniten Regress beschreitet, interessiert ja nicht, weil durch die Anwesenheit der Messgeräte vollumfängliche Objektivität gewährleistet ist. Und mehr als Objektivität braucht die community of scientists nicht. Sie allein berechtigt zu finalen Aussagen über die Gehirntätigkeit und deren kulturelle „Korrelate“ wie Willen oder Bewußtsein. Jetzt dauert es nur noch ein paar Jahre, bis man im Gehirn erkennt, ob Schüler im Unterricht lernen. Dann kann man im Lehramtsreferendariat sofort erkennen, ob einer als Lehrer taugt, wenn bei den Schülern in den richtigen Regionen die Synapsen blitzen. Naja, und das Subjekt finden sie sicher auch noch irgendwo.

Allerdings muss das alles kulturübergreifend, also weltweit identisch, sein. Sollten die Mongolen und die Australier in anderen Regionen als die Europäer blitzen, wäre es Zeit, die Neurowissenschaftler zu Friseuren umzuschulen. Da haben sie dann auch was mit Köpfen zu tun. Ach ja, und die Psychologen sollen mal etwas über Semiotik lernen, dann haben sie sicher erfolgreiche Strategien an der Hand, um ihren „Widersachern“ von medizintechnischen Gnaden in wenigen Sätzen die signifikanten Grenzen aufzuzeigen. Aber das wäre ja Geisteswissenschaft und dafür haben die Psychologen ja nicht jahrzehntelang gekämpft, um sich im neuen Jahrtausend als defiziente Philosphen zu outen. Also schön weiter gegeneinander kämpfen, um wenigstens dadurch noch eine gemeinsame Existenzberechtigung neben der Tätigkeit als pharmakologische Hilfwissenschaft zu erhalten…

Glück auf beim Graben in den Bildern, die die Innenwelt bedeuten wollen.


Jan 4 2010

Zum 50.Todestag von Albert Camus

„Charme ist die Kunst, als Antwort ein Ja zu bekommen, ohne etwas gefragt zu haben.“

Albert Camus

Foto: Mitmensch