Nov 28 2009

Schirrmacher fordert die Abschaffung der Medien

schirm-backAuf Bild.de findet sich ein Interview mit dem FAZ-Cheffeuilletonisten Schirrmacher, um sein neues Buch anzupreisen. In vielen anderen Artikeln in der On- und Offlinewelt gibt es Rezensionen und sogar im Fernsehen hat er sich in die postbürgerlichen Welten einer Talkshow begeben. Es ist auffällig, dass seine etwas platten und dadurch scheinbar extrem leichtverdaulichen Thesen immer durch einzelne Studien faktiziert werden. Er sucht sich Strömungen in der Gesellschaft und in der postmodernen Anthropologie namens Hirnforschung. Dort pflanzt er seine eigenen Meinungen ein, verallgemeinert sie und sucht immer genau ein bis drei Studien aus den Naturwissenschaften, die seine Thesen belegen mögen. In fast jedem Fall stellt er sich jedoch ein Beinchen oder manchmal sogar eine mehrere hundert Meter hohe Mauer.

Ein Beispiel aus dem BILD-Interview:

BILD: Würden Sie Ihrem Kind erlauben, sein ganzes Leben auf SchülerVZ zu posten?

Schirrmacher: Wenn es ginge, würde ich das verbieten. Das geht aber leider nicht. Deshalb muss man in der Bildung eher darauf achten, dass man ein neues Wissen vermittelt. Ich nenne in dem Buch die Erkenntnisse der amerikanischen Psychologieprofessorin Ellen Langer: Menschen, die für zwei Wochen von allen aktuellen Informationen abgeschieden waren, wurden nachweislich gesünder.

Offenbar ist Schirrmacher im Namen des Herrn unterwegs und verspricht uns heil, wenn er unseren Informationskonsum kritisch analysiert.
Nun. Wenn man dieses Zitat auf seinen Gehalt und dessen Tragweite untersucht, dann hat er mit seinem Buch einen gehörigen Anteil an der Krankheit vieler Menschen beigetragen und macht es mit jedem Artikel und jedem Interview schlimmer. Sogar die zitierte Studie hat Schirrmacher kränker gemacht als er vorher war, enthält sie doch eine enorme Menge an Informationen.

Auf der Rückseite des Buchdeckels findet sich noch ein Hinweis auf die hohe Mission, die den Mann antreibt:

Multitasking ist Körperverletzung.

Apple hat das schon vor Jahren gewusst und deshalb kann das iPhone auch immer nur eine Aufgabe erfüllen. Mehrere Fenster oder Funktionen kann es nicht parallel halten: Entweder telefonieren oder Adressdaten eingeben, entweder twittern oder eine neue Location bei Gowalla anmelden. Mich beschleicht aber ein leiser Zweifel, ob das von Apple als besonderes Feature für die Gesundheit gedacht war. Denn das SchirrmacherPhone gab es schon vor seinem Buch. Aber nun mag es vielleicht auf Krankenschein verschrieben werden für alle Menschen, die von den Nachrichten und tweets ihrer Freunde in den gesundheitlichen Ruin getrieben werden.
Was mir in der Diskussion bisher fehlte, sind die Leute, die schon früher das Telefon klingeln lassen konnten und nicht sofort aufgesprungen sind. Aber zurück zu den Studien.

Ich empfehle nur jedem die „Studien“ der Psychologin Ellen J. Langer genau zu studieren, mit denen Schirrmacher vielen seiner Meinungen einen Schein der Faktizität verleiht.

Ein weiteres Beispiel:

Zwei Gruppen von Menschen werden einige Gegenstände präsentiert: eine Verlängerungsschnur, ein Föhn oder eine Kauspielzeug für Hunde. Unter dem Vorwand, eine Verbraucherstudie durchzuführen, werden Gegenstände gezeigt und benannt. Der einen Gruppe sagt man schlicht den Namen des Artikels, der anderen Gruppe benennt man diese Dinge nicht mit einer eindeutigen Aussage sondern mit einem Satz in der Möglichkeitsform: „Das hier könnte ein Föhn sein“. Dann erhalten die Testpersonen Formulare, die sie ausfüllen sollen und Bleistifte dazu. Beiden Gruppen erklärt man, nach einiger Zeit ganz aufgelöst, dass die Anweisungen falsch gewesen seien und keine Formulare mehr da seien und auch keine Radiergummis. Die zweite Gruppe, die unsichere Zuordnungen vonseiten der Wissenschaftler zu den Dingen bekam, kommt auf die glorreiche Idee, doch das Kauspielzeug als Radiergummi zu nehmen. Die erste Gruppe kommt nicht auf diese Idee. (Langer, Piper, Friedus: The Prevention of Mindlessness, 1987)

Wie deutet Schirrmacher das?

Wir lieben die Eindeutigkeit, denn je stärker sie ist, desto stärker unser Gefühl der Kontrolle. Das ist unsere Art, mit Risiken umzugehen. Wir entwickeln dann Routinen, die denen der Computer ähneln.

Risiko kann man abstrakt als das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses und dessen Konsequenz ansehen unter Bezug auf die Abweichung von den selbst oder fremd gesteckten Zielen. Wer keine Absichten verfolgt, lebt also extrem risikolos. Risiken hängen als sehr davon ab, ob man überhaupt offen ist für die Kontingenz des Lebens. Dieser Begriff aus der Philosophie wird oft mit Zufall übersetzt, bedeutet aber eher die Offenheit des Lebens. Wer sich also dafür öffnet, dass das Leben ihm das eine oder andere gute oder schlechte in den Weg stellt, der wird wenig Risiken eingehen, weil er nur sehr laxe Pläne zur Zukunft entworfen hat. Das hat aber rein gar nichts mit Computern zu tun. Es ist eher ein Frage der persönlichen Einstellungen, die aufgrund vieler verschiedener Komponenten entstehen und sich auch nicht selten ändern.

Dann versucht Schirrmacher seinen Terminus von „unsicherer Information“ als volle analoge Weltsicht, welche dem defizienten (schwachen) Digitalen des Computers überlegen ist, weiter zu stärken. Das Problem bei all diesen Versuchen, naturwissenschaftliche Binsenweisheiten (die gerne alle paar Jahrzehnte über den Haufen geworfen werden) in das kulturelle Leben zu übertragen, liegt darin, dass viele oft nicht verstehen, dass der Computer damals ein Versuch war, die Operationen des Denkens transparent zu machen. Er war ein Modell zum Verstehen der Denkens.

Die höchste Kunst der Antike war die Astronomie, weil sie den Lauf der Gestirne vorhersagen konnte. Also gottähnliche Dinge wie den Tagesanbruch, Sonnenfinsternis oder Wintersonnenwende vorhersagen konnte (Maya, Azteken, Ägypter – sogar die Cro-Magnon-Menschen vor 100.000 Jahren). Diese Prophetie basierte auf Mathematik. Deshalb galt es als ausgemacht, als man „alles“ über die Umwelt wusste, aber nichts über das Denken, dass derjenige, der Rechenoperationen in Maschinen simulieren könnte, derselbe wäre, der die höchste Form des Denkens verstanden hätte.

Dass nun aber nach dem maschinellen Zeitalter (steampunks) das elektronische Zeitalter nicht mit viel und wenig Dampf arbeitete, sondern mit Strom/KeinStrom, dass war eher ein unhintergehbarer Umstand der vorhandenen Technologie und keine freie Entscheidung der Entwickler. Sie wollten noch immer ein Modell des Denkens bauen. Dafür nahmen sie einfach den am besten belegten Gehirnvorgang, das Kalkulieren. Deswegen basieren die modernen Rechenmaschinen aktuell nur auf dem binären Code 0 und 1. Das ist kein Konzept, es ist eine Notwendigkeit. Die Quantencomputer werden auch dreiwertige Logiken zulassen können, möglicherweise sogar sehr viel mehr Grundzustände als drei.

Wenn man nun einen Wellengang eines Tons im Frequenzspektrum mehrere Milliarden Mal pro Sekunde abfragt und in eine Tabelle abträgt dann kann man mit ein bißchen Mathematik die Kurve des analogen Tons digital aufzeichnen als Zahlen und den Ton später wieder mit diesen Zahlen simulieren, ohne dass der Mensch einen Unterschied hört. Die Ungenauigkeit der menschlichen Wahrnehmung ist der Hauptgrund, warum diese Täuschung klappt – und etwas Mathematik. Der Computer liefert nur eine Annäherung an das Original, die uns ausreicht. Er ist mitnichten genau.

Wenn man aber trotzdem die Eindeutigkeit in Schirrmachers Argumentation als Kriterium der unmenschlichen Herrschaft der Computer herausarbeiten will, dann müsste er vor allem eines Tun: Er müsste nachweisen, warum all die vielen Beispiele, die er als Nachweis für seine Eingebungen anführt nur genau die Deutung zulassen, die ihnen angedeihen lässt. Ist nicht sein ganzes Buch voller Eindeutigkeiten? Die digitale Welt der Computer wandelt einfach alle Informationen in Zahlenreihen. Wenn sie sie wieder in wahrnehmbare Töne oder Bilder zurückverwandelt, also von der Festplatte abspielt, dann sind zwischen den gespeicherten Werten unverbundene Löcher, die nur mit mathematischen Gleichungen in einer zufallsgesteuerten Annäherung die Werte zu einem Strom von Tönen verbinden. Das ist mir allemal sympathischer und nachvollziehbarer als ein Schirrmacher, der seine Ideen mit Quasi Messwerten (Studien) speicherbar macht und nachher Querverbindungen herstellt, ohne das Verfahren zu nennen, dessen er sich bedient.

Und genau dieses Verfahren ist es, dass auch die Menschen vor der ungesunden Informationsflut rettet. Es ist das Vermögen sich anzupassen. Manche passen sich so gut an die sich ändernden Verhältnisse an, dass sie viele Nachkommen bekommen. Das hat zur Folge, dass ihre Gene in die nächsten Generationen getragen werden. Es kann sogar sein, dass manche von denen eine besondere Genmutation erlebt haben und deshalb besonders nutzbringend mit bestimmten Entwicklungen umgehen können. Aber das ist keine Generationenfrage sondern eine der individuellen Veranlagung, der Übung und der Robustheit. Auch der grundlegende Zweifel am Glaubensmodell der Zahlenkirche, die in der Statistik ihre Hohepriester weiß, ist kein Nachweis für irgendetwas außer der Entscheidung für eine der Millionen Möglichkeiten, die Welt zu deuten.

Journalisten und Wissenschaftler haben oft eines gemeinsam. Sie sind der Ansicht, dass Informationen, also das Pressen von Gedanken in Schriftcode, einen besonderen Stellenwert in der Überlebensstrategie der Menschheit hat. Das ist aber nicht nachzuweisen. Es ist aber nachzuweisen, dass der Austausch mit anderen in der Gruppe seit dem Neandertaler einen enormen Überlebensvorteil bedeutet. Und das Netz fördert den Austausch mit Menschen. Und wenn man statt per E-Mail nur mit einigen nun per twitter mit Hunderten kommuniziert, kann das den Vorteil stärken oder schwächen. Aber das einfach Herausbrüllen von Meinungen der Wissenschaftler oder Journalisten hat diesen Vorteil nicht und wird deshalb immer nur eine geduldete Form des Ausdrucks sein. Die wahre Kunst und der echte Vorteil ist das Hin und Herr der Informationen zwischen den Menschen. Dort wächst auch die Kultur am schnellsten und am erfolgreichsten.

Wenn Schirrmacher also seine eigenen Deutungen der Studien ernst nähme, müsste er aus humanitären Gründen darauf verzichten, weiter mehr Informationen zu verbreiten. Er könnte mit dem Unterlassen solcher verhinderten Kinderbücher und dem Appell an alle Verleger, die Masse der Informationen auf den Stand von 1920 zurückzuführen einen Beitrag zur Volksgesundheit leisten, der mich dazu veranlassen würde, ihn für das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen.


Nov 23 2009

TEDvideo: Howard Rheingold on collaboration

Schon ein Jahr alt, aber aktueller denn je:


Nov 20 2009

Netztheorie: Netzluft macht frei?

Photo:  KConnors

Photo: KConnors

Die Versuche, eine Netztheorie auf der Metapher der Stadt aufzubauen sind Legion. Ob man die Geschichte des Turmbaus zu Babel als böses Omen dieser Entwicklung betrachtet, oder Kants Hausbau der Vernunft als begrenzende Gedanken einsetzt, das Bild der Stadt hat viel Charme. Vor allem deshalb, weil man es als ein Zusammenballen betrachten kann, das ähnlich wie die Sprache, die Schrift oder das Denken an sich aus dem sozialen Austausch erst seine Bedeutung erfährt. Wie die befestigten keltischen Lager (oppidum) die Vorräte schützen – und im Angriffsfall auch die umliegenden Bauernfamilien – so schützen Lexika, Enzyklopädien und Bibliotheken diese sozial entstandenen Begriffe und ihre Bedeutungen als Vorrat der Kultur. Sie begründen auch das geistige Territorium der Macht.

Mit dem Internet aber entstehen Favelas. Die Landbevölkerung, die zumeist nicht in die hohe Kunst der Sprach- und Schriftverwaltung eingeübt ist, sucht ihr Glück in dem beschützenden Areal der Stadtmauern namens Internet. Die Hohepriester der Wissenschaften lassen sie gewähren, weil sie die akademischen Kreise nicht gefährden. Aber die Schreiber und mittleren Beamten aus der Presse und Zeitungswelt bekommen es mit der Angst. Denn die Slums wachsen verdächtig nahe an ihre Bürgerhäuser.

Da Staat und Stadt beide in ihrer Bedeutung das Feste bzw. die Festung (lo stato) haben, werden sich nun diese mittleren Einwohner der Festung überlegen, wie sie ihre Position sichern. Denn früher war ja eben die Mauer die klare Trennung der umherziehenden und vagabundierenden Tagelöhner von den schriftbegabten Städtern. Nun haben sie aber ohne Kampf und ohne Eroberung einfach als Hilfesuchende Unterschlupf gefunden und nutzen die Stadt für ihre Zwecke. Damit ist das Sicherheitsversprechen der ehemals geschlossenen Gemeinde infrage gestellt.

Was noch weitaus schlimmer ist: Innen und Außen haben sich aufgelöst. Die dialektische Weltsicht ist dadurch zerstört worden. Damit ist auch ein ganzer Deutungshorizont im Umbruch. Die ehemals außen Lebenden haben zusätzlich noch ihre ehemalige Auslieferung an das Schicksal als Selbstbestimmung und Unabhängigkeit mit in die engen Regeln der Burg importiert.

Das Internet ist gerade in diesem Stadium, dass die unprofessionellen Schreiber und Denker in die Burg des akademischen und verlegerisch sanktionierten Publizierens eingebrochen sind und Inhalte, Bedeutung und Meinungen sich wie die Viren in jedem Text und jedem Artikel verbreiten. Innen und Außen wird vermischt und zernichtet. Die Macht müsste es richten. Aber die Großen dieser Welt haben ja eigentlich wenig Interesse an den kleinen Mittelzentren eines Territoriums. Dafür hat man ja seine Verwalter.

Denn die Pharaonen hatten ihre Städte nicht an den Vorratslagern positioniert. Sie postierten dort eben ihre Verwalter, die bis an die Zähen bewaffnet waren. Die entscheidende Kräfte der postindustriellen Gesellschaft postieren die Medien genauso, dass bestimmte Themen und Trends durch die vorbeiziehenden Karawanen verbreitet werden. Das findet an den Kreuzungen der Handeltreibenden statt und nicht in den Verwaltungszentren der Staatoberhäupter. Das gemeine Volk informiert sich entsprechend der königlich gewünschten Märchen und Geschichten. Die Kontrolle behalten sie über die königlichen Siegelbewahrer, die heute als Journalistenschule das Siegel der Objektivität und Filterhoheit erhalten. Aber die einströmenden Horden treiben sich lieber in den keltischen Hainen herum, wo sie eigene Versammlungen abhalten und die Botschaften der vielen Karawanenführer vergleichen. Tausend Leser – tausend Stimmen.

Auf diese Weise entsteht eine neue Art der Transparenz; man kann erkennen, welche Nachricht von wem mit welcher Absicht gefärbt wurden. Die Herrscher schicken aus dem Verwaltunsgzenturm (urbs) schnell Hunderte von Siegelbewahrern aus, die die Redner in den befestigten Hainen der Verwirrung bezichtigen. Außerdem weisen sie nach, dass bestimmte Geschichten, die verglichen wurden, mit dem königlichen Siegel gezeichnet waren. Sie verbieten das Vergleichen der Botschaften, indem sie jeden nicht autorisierten Gebrauch der königlichen Nachrichten untersagen. Diese Regeln dürfen sie deshalb aufstellen, weil sie aus einer höheren Schicht des babelschen Turms stammen. Ihre Verfasstheit ist näher am Himmel, ist abstrakter, denn sie haben das Reich der Menschen bis zum Horizont im Auge. Sie begründen diese Hoheit über die Regeln mit der schweren Last, die auf ihnen liegt, weil sie so eine enorme Verantwortung für so eine unüberschaubare Masse an Menschen tragen. Und wer die Vorteile der Zugehörigkeit zum Bürgertum (zur Gemeinschaft) genießen will, der muss sich dem Siegel des Gesetzes beugen. Die Betrachtung und Bewertung der Botschaften der herrschenden Familien ist weder Aufgabe des Bürgers noch überhaupt seiner Ausbildung angemessen.

Seine Freiheit besteht darin, seinen Wirkungskreis frei zu wählen, seine Meinung zu formulieren und sich zu versammeln und den frei gewählten herrschenden Familien die Abstimmungsergebnisse zu übermitteln. Durch das Netz aber reisst dieser Kontakt der Herrschenden zu den Bürgern, der durch die Medien institutionell vermittelt zu sein schien, vollends ab. Das ganze Volk ist im Netz (also im in einer ständigen Versammlung irgendow in der Stadt) und die Siegelbewahrer (Medien) kommen nicht mehr mit. Zuviele Stimmen, zuviele Versammlungen, ein stetiger Fluß der Abstimmungen verhindert das Kanalisieren und Ausdeuten des Volkes. Das professionelle Dem-Volk-aufs-Maul-Schauen hat seine Aufgabe verloren.

Die Siegelbewahrer erkennen, dass jedes Stadtviertel eigene Siegel entwirft und sich die Viertel untereinander auf Regeln einigen. Damit werden die Siegelbewahrer der einzelnen politischen Parteien überflüssig. Das erkennen auch die Parteien als herrschende Familien. Sie überlassen es den Medien, erste Notstandsgesetze anzuregen. Denn Selbstverwaltung kann kein Verwalter dulden – und erst recht keine Autorität, die vom gnädigen Teilen ihrer ureigenen Kunst der Macht lebt. Nähmen die Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand, wäre der Gehorsam obsolet und damit die jahrtausendealte Tradition der Macht. Dann wären die Herrscher – einfach nur Menschen.


Nov 18 2009

Verleger schaffen sich selbst ab: Wie Massenmedien zu Nischenprodukten werden

Aosta

Photo: ClaudioT

Neulich auf den Zeitschriftentagen setzte ein Jurist aus dem Hause Kirch das Verleger-Leistungsschutzrecht analog dem Leistungsschutzrecht der Werkvermittler, das die besonderen Leistungen im technischen und wirtschaftlichen Bereich schützt. Kein Wunder, denn Rundfunk ist sehr teuer. Die Sendeanlagen für Radio oder Fernsehen verschlingen Millionen und werden alle paar Jahre mit oft fadenscheinigen Begründungen vollständig ersetzt. Wer die jahrelangen Diskussion um die digitalen Videoformate und Codecs bei Videokameras der öffentlichen Sender verfolgte, wird verstehen, dass solche Grabenkriege, die nicht selten mit besonderen Beziehungen zu Lieferanten zu begründen sind, enorme Kosten verursachen.

Da die deutsche Bevölkerung per Gesetz zur Bezahlung solcher Eitelkeiten verpflichtet wurde, läßt sich dagegen nicht rechtlich vorgehen. Auch bei den Diskussionen um die neuen HD-Standards oder das digitale Radio rund um die EBU-Empfehlungen und die Süppchen der diversen europäischen Rundfunk- und TV Sender wird offenbar, wie wenig die Interessen der Konsumenten – oder neudeutsch – Nutzer bzw. user bei Entscheidungen in Betracht gezogen werden.

Man könnte es mit den Aufwänden im Druckmaschinenwesen vergleichen. Zumindest tun das die Verleger. Ich glaube, dass der Vergleich hinkt, aber due Crux liegt ganz woanders. Denn das Leistungsschutzrecht der Werkvermittler schützt nicht deren Texte im Netz. Ein Film oder eine Tonaufnahme sind einfach teurer und aufwändiger als das Schreiben eines Artikels. Es sind mehr Menschen beteiligt, es gibt mehr Schaden, wenn es nicht klappt; und man kann nicht einfach – wie beim Textdokument des Autors – die Aufnahmen 1:1 ins Netz stellen. Man braucht den Schnitt, eine Erzählerstimme, das enorm teure professionelle Equipment (eine TV-Kamera kostet mindestens 8-20.000 Euro ohne Objektive, die gerne ab 10.000 erst anfangen; ein Tonstudio beginnt erst bei 50.000 EUR überhaupt den Namen zu verdienen.)

Nun sollen also laut Koalitionsvertrag die Verlage im Web nicht schlechter gestellt sein als andere Werkvermittler. Damit sind Film- und Musikproduktionsfirmen sowie die Rundfunkanstalten gemeint. Diese genießen für ihre besonderen Leistungen rund um die Produktion oder die Verbreitung der Inhalte den Schutz des Urheberrechts. Eigentlich schützt dieses Gesetz zunächst die enge Bindung des Werks an den Urheber.

Dieser tritt aber bisher nicht direkt mit dem Endkunden in Kontakt. Außer im Internet, denn nur dort ist das bundesweit und sogar global möglich.

Das Urheberrecht räumt dem Urheber keinen unmittelbaren Anspruch gegen den Nutzer (Konsumenten) des Werkes ein, sondern nur gegen die – zumeist gewerblichen Verwerter des Werkes, die ihrerseits die dem Urheber zustehende Vergütung auf das von den Konsumenten erhobene Entgelt (Kaufpreis, Eintritts, GEZ etc.) umlegen.

Wenn aber mit dem Internet die technischen Hürden für die letzte Meile zum Kunden quasi kostenlos überbrückt wird, dann kann jeder mit einem Blog, einer günstigen Verkaufsplattform wie Books on demand/Amazon und die eigener Werbung mit selbst gestalteten eigenen Bannern bei einer Website der eigenen Wahl zum Verleger werden, oder gar durch Mundpropaganda. Dann wird es taghell in  den Chefetagen einiger Großverlage, die bisher durch das Bündeln vieler Artikel und Themen ein Produkt bastelten, das zwar große Reichweite bedeutet, aber jeder musste Dutzende Artikel mitkaufen, die er oder sie nie lesen würde. Im Web aber wird der Autor ohne großen organisatorischen und wirtschaftlichen Aufwand selbst Verleger – und dient mit seinem Thema demjenigen, der eben nur das lesen will. Soviel Kundennutzen bei derart geringen Kosten ist verdächtig. Da muss Mutti helfen mit dem Leistungsschutzrecht. Aber ist der Schutz als Werkvermittler überhaupt schlau gewählt?

Da die Radio- und Fernsehsender ihre Inhalte auch ins Netz stellen, müssten sie also auch besondere Leistungsschutzrechte erhalten für diese günstige Zweitverwertung im Netz – und zwar für die Texte UND die Filme und Tonbeiträge. Denn ein Text ist ein Text, seine Gestaltung als Fernsehbeitrag oder Radiofeature ist noch eine zusätzliche (bereits leistungsgeschützte) Leistung mit hohem personalen und wirtschaftlichen Aufwand.

Die Verleger springen also sehr kurz, wenn sie glauben, dass sie sich einen Gefallen damit tun, jeden einzelnen Satz unter dieses Leistungsschutzrecht zu stellen, im Versuch das Zitatrecht oder gar das Paperboy-Urteil des BGH auszuhebeln. Wobei ich immer anmerken muss, dass es keine hoch qualifizierte oder extrem aufwändige organsatorische Leistung ist, bestehende Text im Netz zu publizieren und zu verbreiten, wie Millionen von Amateurwebsites zeigen, die zum großen Teil in erstaunlicher technischer Qualität Texte veröffentlichen. Einstellen von Texten in CMS, die es ja in hoher Qualität als Open Source gibt, wäre somit keine schützenswerte Tat.

Allein die Texte selbst liefern den enormen qualitativen Vorsprung mancher Webpublikation vor anderen. Nicht umsonst gewinnen daher selten die Websites großer Verlage die Online-Grimmepreise. Denn auch dort beim Kürlaufen der Onlineangebote haben die Verlage nicht immer klare Vorteile vor den Amateurprojekten bzw. genossenschaftsähnlichen Autorengemeinschaften.

Wenn es also so ein Leistungsschutzrecht gäbe, dann müssten die Verlage ihre Texte verbarrikadieren. Denn die öffentliche Meinungsbildung findet zu einem großen Teil unter Verwendung öffentlich zugänglicher Inhalt statt. Wer aber einen Text nicht in die Öffentlichkeit bringt, der genießt auch nicht den besonderen Schutz für veröffentlichte Werke, die ja als Grundlage für öffentliche Meinungsbildung gedacht sind. Wenn Zeitungen bestimmte Nachrichten nutzten oder Inhalte zitieren, die exklusiv von Sendern kämen, und wenn diese auch auf den Websites veröffentlicht würden, dann müssten die Verlage als gewerbliche Nutzer dafür zahlen. Oder die Sender gründeten eine neue Verwertungsgesellschaft für ihre Inhalte, die sie (unter großem organisatorischem und technischem Aufwand?) im Netz verbreiten. Der Verlag müsste dann nachweisen, dass sein Inhalt noch vor dem Webauftritt des Senders online war, um diesen Zahlungen zu entgehen? Das Alles erscheint eher wie der ewige Krieg zwischen Verlagen und den öffentlich-rechtlichen Sendern – die Blogger und die Netzcommunity sind wohl nur Nebelkerzen als gezielte Desinformation.

Die Verleger argumentieren weiter, dass nur sie marktreife Produkte anbieten können, da nur sie das wirtschaftliche Risiko des Produzierenlassens von Inhalten und das Publizieren im Netz beherrschten. Wie oben bereits angeführt lesen aber viele Menschen lieber die Kommentar ihre Freunde zu einem Thema. Interessante Inhalte können also nicht nur von professionellen Journalisten  stammen sondern sind zunehmend auch Produkte der Leser selbst – ob als Posting bei twitter, als Statusmedlung bei sozialen Netzwerken oder in Langform auf einem persönlichen Blog.

Das Zusammenbündeln verschiedenster Inhalte zu unterschiedlichen Themen als „Produkt“ ist aber im Online-Markt gar nicht interessant, weshalb Hundertschaften von Ökonomen und Experten den Verlagen klarzumachen versuchen, dass das Heil der Online-Publikation nur noch im Special-Interest-Bereich liegt (Aktieninformation, Ratgeber, Prono etc.). Und wenn Verleger glauben, dass ihr Bauchladen im Netz nicht konkurrenzfähig ist zu den Spezialdiensten, dann haben sie Recht. Aber ist es vor allem deswegen, weil jeder seine eigene Meinung im Netz formulieren und publizieren kann.

Das Netz ist eben ein Konversationsmedium geworden. Die Verleger glauben noch immer, das Netz sei eine Art digitales Papier. Das mag in bestimmten Bereichen stimmen, wo das Netz als Archiv gilt, siehe Wikipedia, aber auch und gerade dort bewegt sich der Informationsfluß. Danah Boyd hat gestern auf der Web 2.0 Expo erklärt, dass die Zeiten vorbei sind an denen es feste Publikationsformen im netz gab, die analog zur gedruckten Welt funtktionieren. Die Inhalte und Nachrichten fließen durch das Web und verändern sich dabei ständig. Jede Zusatzinformation , jede Expertenmeinung erweitert eine Nachricht oder einen Artikel in multidimensionaler Weise. Wer will, der kann sich eine Momentaufnahmen als PDF-Seite oder eben als HTML-Seiten ausdrucken oder als Website statisch machen. Der Kern des Netzes ist jedoch der Meinungsbildungsprozess vor den Augen aller im besten fluidmechanischen Sinn: In der Mitte des Flusses ist die Fließgeschwindigkeit am höchsten. Wer das Wasser anhalten will begeht einen logischen Fehler und ist nicht geschaffen für etwas, das ständig in Bewegung ist. Heraklit hatte es schon vor langer Zeit erkannt: „phanta rhei“ – alles fließt.

Wenn die Verleger aber meinen, sie wollen ihre Momentaufnahmen des öffentlichen Willens- und Meinungsbildungsprozesses als besondere Leistung schützen lassen – nur zu. Das Wasser sucht sich andere Wege, es fließt immer zu Tal und überwindet jeden Widerstand. Im Zweifel wird es einfach das gesamte Geschäftsmodell der Momentaufnahmen wegspülen.



Nov 16 2009

Clay Shirky on Algorithmic Authority (Video & Blogpost)

Und hier die ausformulierten Gedanken dazu aus Clay Shirkys Blog.

Hier ist eine Liste der Paper der anderen Vortragenden des Kongresses:

JOURNALISM & THE NEW MEDIA ECOLOGY:
WHO WILL PAY THE MESSENGERS? Link


Nov 11 2009

Einführung ins Leistungssschutzrecht und Abgesang auf ein Verlegerschutzrecht

Sowohl in der schwarz-gelben Koalition wie auch schon mit Steinmeier haben die politisch völlig unabhängig und neutral agierenden Medien ihre nächsten Verwandten als Beschützer bekommen. Denn die vielen Milliardäre und Millionäre unter den Verlegern haben keine rechten neuen Geschäftsmodelle für das neue Jahrtausend gefunden. So etwas ist den Politikern auch schon passiert.

Digitale Bücher werden über das Handy oder proprietäre Geräte von Händlern abgerechnet. Websites sind zwar mächtige Targeting-Tools, aber noch immer nehmen die Holzmedien astronomische TKPs im Gegensatz zu den gut kontrollierbaren und transparenten Webmedien. Gießkanne vor Tröpfchenbewässerung. Analog müsste der Strom bei besonders stromsparenden Kühlschränken und Waschmaschinen besonders billig sein. Aber die Verleger verschenken fast ihren Werbeplatz im Netz mit der Begründung, dass der Werbemarkt am Boden sei. Wirtschaftskrise. Kostenlosmentalität allerorten. Dabei ist der Konkurrent einfach billiger und transparenter.

Aber bei den Nutzern und Lesern, da ist die Kostenlosmentalität besonders verwerflich. Vor allem deshalb, weil sie die Unverfrorenheit besitzen, kostenlose Inhalte im Netz abzurufen, obwohl die Websieten mit Banner und Inline-Advertising vollgepflastert sind – wenn man Online-Werbekunden hat. So wie Spiegel Online oder Bild.de. Die verdienen Millionen.

Photo: Lori Barwick

Photo: Lori Barwick

Und weil manche Verleger zwei- oder gar dreistellige Millionenumsätze im Web generieren – aber manche nicht auf den grünen Zweig kommen – muss eine Gerechtigkeit her. Es gab zwar noch nie Gerechtigkeit. Und man könnte sich sogar zu der Idee versteigen, dass die Ungerechtigkeit Teil der überall obwaltenden Kontingenz (Zufall) ist. Aber im Kern muss man zugeben, dass im Allgemeinen die Masse der Umblättermaschinen im Web zu wenig Gewinn einbringt. Und da man in Deutschland – wie auch in vielen anderen Ländern – schon immer gut darin war, hat man einfach KEINE neuen Geschäftsmodelle im Blick sondern sucht sich mit staatlicher Unterstützung neue Umsatzquellen wo man eigentlich neue Produkte erfinden müsste. Schutzzölle, Subventionen, Kohlepfennig…die Liste ist lang. Manchmal muss man einfach den Terminus SYSTEMRELEVANZ im Vakuum der Wirtschaftspresse hinterlegen und schon sprudeln da Umsätze, wo vorher noch klare betrugsähnliche Leistungsverletzungen durch Hunderte Mitarbeiter und Manager stattgefunden hatten.

Aber so eine gute Lobby wie diese Spezialwelt haben Verleger nicht. Sie müssen potemkinsche Dörfer aufbauen mit bösen Nutzern, die sich alles widerrechtlich aneignen und sich selbst nicht entblöden, das Ganze auch noch als Piratentum zu institutionalisieren. Diese vermeintlich vogelfreien Nutzer haben aber auch ihren Kodex der Privatkopie.

Und sie haben den Vorteil des HIER und JETZT, den die Verleger nicht haben. Per p2p kann man sich jederzeit Hörbücher oder Filme aus dem Netz ziehen. Um dasselbe legal zu machen, müsste man sich registrieren und unsichere Onlinebezahlwege gehen, man könnte dann irgendwann seine Rechnungen über 12 Pronofilme im Oktober 2008 im Netz lesen, weil irgendein Scriptkid einfach in der URL seiner eigenen Bestellung rumspielte und dadurch Zugriff auf Hundertausende Bezahlvorgänge erhalten hatte. Oder ein freundlicher Herr in Asien hebt einem 3000€ vom Konto ab und die Sparkasse erklärt kalt lächelnd, dass man EC-Karte und Geheimnummer zusammen aufbewahrt haben muss. Einmalig in Europa diese Beweislastumkehr. Aber zum Thema:

Urheberrecht und Leistungsschutzrecht

Das Urheberrecht wurde eingeführt, um den Urheber zu schützen. Eigentlich kommt es aus der Praxis, dass es in grauer Vorzeit Witzbolde gab, die Gedichte abschrieben und sie als ihre eigenen Ausgaben. So lag der Ursprung des Urheberechts in einer gesetzlichen Bindung des Werks an die Person des Autors bzw. Künstlers. Die Kopie unter Angabe des rechtmäßigen Autors galt nicht als verwerflich. Ab dem späten Mittelalter gab es Drucker, die Autoren Geld bezahlten, damit sie die ersten waren, die ein Werk druckten. Andere Drucker bezahlten dem Autor nichts, druckten diese Bücher aber trotzdem. Es gab bald höhere Instanzen wie Landesväter oder kirchliche Vertreter die bestimmten Druckern Privilegien einräumten für Regionen oder Zeiträume gegenüber anderen Druckern. Feindliche Landesfürsten aber unterstützen ihrerseits wieder eigene Drucker darin, viele Raubdrucke in großer Zahl herzustellen und zu verbreiten. Der Buchdruck war zu einem Vehikel der fürstlichen Ränke geworden. Aber auch die Gedanken der Aufklärung wurden über solche Raubdrucke weit verbreitet. Besondere Autoren oder Künstler waren die ersten, die gehobene Privilegien genossen. Daher kommt die starke persönliche Bindung des Urheberrechts an Personen. Die erste klare Formulierung definierte man 1710 in England im Act for the Encouragement of Learning by Vesting the Copies of Printed Books in the Authors or Purchasers of such Copies, during the Times therein mentioned.


Neue Geschichte des Urheberrechts

Was hat sich seit dieser Zeit geändert? 1965 wurde das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in Kraft gesetzt. Besonderes Detail war eine Verlängerung des Urheberrechts von 50 auf 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Deutschland wurde mit einem Schlag zu einem Pionier in Bezug auf die Verlängerung von Urheberrechtsfristen. Ob es demografische Weitsicht war oder wer profitiert von solchen Nachtodumsätzen? Ich fürchte, es ist klüger hier nicht zu spekulieren, aber ich glaube, der Urheber ist es nicht direkt und der Leser eigentlich auch nicht. Allerdings wurde auch die Privatkopie wieder „legalisiert“, die in den 50er Jahren durch Gerichtsentscheidungen entgegen dem damaligen Gesetzeswortlaut verboten war. Die Welthandelsorganisation hat dann das TRIPS-Abkommen weltweit durchgesetzt, und damit viele nationale Urheberrechte harmonisiert. Teil dieses Vertrages war auch der Drei-Stufen-Test, der die öffentlich-rechtlichen Angebote im Netz einem hübschen Verwaltungsaufwand unterzieht. Ich würde mir wünschen, dass die gesamte Presse diesem Test unterzogen werden müsste mit dem vierten Zusatzschritt, dass jedweder Einfluss von externen Firmen oder Agenturen zu einer Verhinderung des Sendens, Druckens oder Online-Publzierens führte. Es ist erkennbar, dass TRIPS keinen Vorteil für Konsumenten bzw. Leser brachte.

newsAuch sein Folgeabkommen namens WTC, das den besonderen Verhältnissen im aufkommenden Web Rechnung tragen sollte, war nicht durch ein besonderes Augenmerk auf den normalen Nutzer und Medienkonsumenten aufgefallen. Das Zugänglichmachen und das Vervielfältigen im Web wurde analog zum normalen Publikationsprozess eingeordnet. Neu war das Einführen einer Lizenzierung analog zu Patenten. Das heißt, dass man besondere, limitierte Nutzungsformen definieren konnte und auf dieser Basis auch besondere Preismodelle möglich wurden (on demand, pay per view, etc.) Dazu musste natürlich auch das Digital Rights Management eingeführt werden und bereits das Ändern von Metadaten, die zum Abrechnungsmodell gehörten und nicht das Werk betrafen, wurde mit dem WTC unter Strafe gestellt.

Mit der Umsetzung von TRIPS und WTC in USA und Europa um die Jahrtausendwende wurden dann einfach die Internetserviceanbieter zum langen Arm der Ermittlung degradiert. Sie waren und sind verantwortlich für das Sammeln der Daten ihrer Kunden. Auf dieser Basis findet die polizeiliche Ermittlung statt.

Urheberrecht – im Detail

Das Urheberrecht besteht in Deutschland zunächst aus zwei Teilen. Dem Urheberperönlichkeitsrecht und den so genannten Verwertungsrechten. Der erste Teil ist unveräußerlich, kann also nicht wirksam auf andere Personen übertragen werden. Nur der Urheber kann bestimmen, ob und wann sein Werk veröffentlicht wird. Auch sein Name muss genannt werden. Er kann aber auch verbieten, dass sein Name genannt wird. Und er hat das Recht, etwaige Verunstaltungen des Werks zu verbieten (dies kommt bei Architekten vor, wenn ein Hausherr einfach einen Wintergarten an ein Haus anbauen will, für dessen Entwurf der Architekt vielleicht einen Preis gewonnen hat). Es gibt dem Urheber in Grenzen sogar das Recht, sein Werk wieder aufzusuchen oder kurzfristig zu bekommen für weitere Vervielfältigungen oder Bearbeitungen.

Dem geneigten Leser ist eine Vokabel besonders aufgefallen: das Werk. Dieses ist ein seltsames Ding und rührt von der Aufklärung her. Im Mittelalter war alles Gottes Schöpfung, bis auf die Besitztümer der Kirchenfürsten und Landesherren. Die Gilden brachten erweiterte Rechte für die Handwerker. Das Werk nun musste etwas werden, dass über die Produkte von handwerklich geschickten Händen hinausging. Es wurde um eine geistige Dimension erweitert (Aufklärung). Alles, was eine Idee übersteigt in der Weise, dass man klar erkennen kann, dass ein individueller Geist sich Gedanken gemacht hat und gestaltend eingegriffen hat.

Ein Foto zum Beispiel ist dann ein (Lichtbild-)Werk, wenn die dargestellten Objekte extra drapiert wurden oder in einem bestimmtem Moment geknipst wurden, damit ein vorher erwünschter Effekt entsteht. Kommissar Zufall kann also kein Werk erschaffen. Diese konzeptionelle Absicht nennt man die Schöpfungshöhe. Ist also ein Konzept erkennbar, ist diese Höhe erreicht und ein Ding, das ein Mensch sagt, schreibt, zeichnet oder flötet, ist ein schützenswertes Werk. Das Gesetz nennt es „ein Handlungsergebnis, das durch den gestaltenden, formprägenden Einfluss eines Menschen [Individuums] geschaffen wurde“.

Verwertungsrechte

Es gibt eine ganze Menge Verwertungsrechte. Da es viele Medien gibt (Buch, Fernsehen, Kino, Radio, Zeitung, Datenbank etc.) und auch noch neue geben wird, ist der so genannte Katalog nicht abgeschlossen, der die Verwertungsrechte umfasst, die häufigsten sind: Vervielfältigungsrecht, Verbreitungsrecht, Ausstellungsrecht, Vortrags- Aufführungs- und Vorführungsrecht, Senderecht, Wiedergabe auf Bild- und Tonträgern, Recht auf öffentliche Zugänglichmachung, Datenbankspeicherung. Und nun kommt der Clou: Aus dem Urheberpersönlichkeitsrecht läßt sich ableiten, dass die Urheber an jeder (!) Verwertung teilhaben müss(t)en. Die meisten Verleger jedoch lassen sich von den Autoren sehr umfangreiche Übertragungen aller denkbaren Verwertungsrechte unterschreiben, bevor sie einen Artikel oder andere Werke zu Veröffentlichung annehmen.

Im Klartext: Man kann den Redaktionen tolle Texte anbieten, aber wenn man nicht gerade sehr bekannt ist oder sehr gute und einzigartige Texte schreibt, kann man diese Vereinbarung nicht nachverhandeln – entweder unterschreiben oder gehen. Die Verleger, die gegenüber dem Gesetzgeber gerade so tun, als ob sie von dem Verwertungsrechte-Kuchen wenig abbekommen, sind in Realität schon sehr nahe dran, über alle denkbaren Verwertungsformen zu verfügen OHNE den Autoren im nachhinein besondere Vergütungen zukommen zu lassen. Außerdem erhalten fleißige freie Autoren oder Künstler, die viel publizieren oder musizieren auch jedes Jahr ungefähr 300-800€ von Verwertungsgesellschaften wie VG Wort, GEMA oder GVL. Sie verwalten die Gelder als Treuhänder der Einnahmen aus Verwertung, Schutzrechten und Leistungsschutzrechten. Die Tantiemen, die über Gesellschaften wie VG Wort ausgeschüttet werden, stammen aus Pauschalvereinbarungen, die sie mit den Verwertern/Sendern oder Drucker/Kopiererherstellern eingegangen ist.

Verwandte Schutzrechte oder Leistungssschutzrechte

Was aber sind dann diese ominösen verwandten Schutzrechte? Sie sind sozusagen entfernte Verwandte oder Abkömmlinge dritten Grades vom Werk selbst. Hier ist der Urheber fast egal. Es geht ausschließlich um den Schutz von etwas, dass mit einem urheberrechtlich geschützten Werk in Zusammenhang steht. Das kann die Aufführung eines Theaterstücks sein, das über den Urheber (Dramatiker) bereits geschützt ist. Denn auch die Aufführung selbst ist eine Leistung. Auch Musiker, die die Stücke anderer spielen, aber auch die Leistung eines Produzenten, der die gesamte Organisation (und das geschäftliche Risiko) eines Kinofilms übernommen hat. Zu diesem Zweck haben beispielsweise die Musiker und die Verwerter von Musikrechten die GVL analog der GEMA gegründet und alle, die mit aufgeführter Musik Geld verdienen (TV/Radio-Sender, Kabelnetzbereiber, Diskos, Kneipen und sogar Hersteller von Speichermedien) zahlen Lizenzgebühren an diese beiden Verwertungsgesellschaften.

latSo in etwa stellen sich das die Verleger auch vor. Denn aus deren Sicht leisten sie ähnliche Arbeit wie ein Musik- oder Filmverwerter. Man könnte sogar den Verlagen zustimmen, wenn es nicht so viele weit reichende Rechteübertragungen seitens der Freien Autoren gäbe. Wenn sie sich selbst nicht den Markt kaputt gemacht hätten. Wenn sie tolle neue Ideen im Web umsetzen würden.

Es gibt in keinem anderen Bereich des Urheberechts einen vergeichbaren Übergang von Urheberrechten an Verlage. Das besondere ist vor allem, dass ein Text nicht eine große organisatorische Leistung ist (Filmproduktion) oder die Produzententätigkeit in einem Studio, wo nicht selten aus den Songs einer Band durch das Arrangement und die Produktion ein völlig neuer Sound entsteht. Das Erstellen einer CD oder eines Filmes ist aus Sicht des Gesetzgebers eine relativ teure Investition, die deswegen und auch weil es ein Kulturgut darstellt, den besonderen Schutz genießt – den Schutz aus dem Leistungsschutzrecht.

Warum die Leistung der Verleger nicht leistungsschutzwürdig ist

Eine Website, die mit vielen Artikeln bestückt wird, stellt aus meiner Sicht nicht so ein Kulturgut dar. Das liegt zum einen daran, dass dort viele Agenturmeldungen und Nachrichten aus anderen Quellen erscheinen, die keinen Charakter der Einzigartigkeit erfüllen und somit besonders schützenswert wären. Dächte man sich das Netz ohne Online-Magazine, gäbe es ja die Quellen der Papiermedien noch immer. Insofern sind die Online-Medien eine Art Speicherung der bereits veröffentlichten oder zu veröffentlichenden Inhalte und erfüllen damit einfach die Funktion eines öffentlichen Archivs, bei dem jeweils die aktuellsten Inhalte auf der Frontseite präsentiert werden.

Vor allem dieses in der Präsentation offenbare Primat des Aktuellen gegenüber der vertieften wissenschaftlichen, künstlerischen oder anderen geistigen Einordnung von Sachverhalten zeichnet fast alle Produkte von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern im Netz aus. Diese mangelnde Einzigartigkeit, die darin besteht, dass man die identischen Meldungen nur in anderen Wortlauten überall lesen kann, ist auch ein Grund für eine mangelnde Schutzwürdigkeit der Onlineaktivitäten im Web. Ein Hauptgrund liegt aber darin, dass die Gewinnerzielungsabsicht nicht darin besteht, ein Kulturgut zu verkaufen, sondern diese Textarchive nutzt, um Leser zu der Werbung zu locken. Hier sind für mich schon die DVDs wo man die Werbung nicht überspringen kann fast außerhalb eines Schutzbereichs. Denn wenn der Drei-Stufen-Test für die öffentlich-rechtlichen Anstalten irgendein fiktives Analogon in der Privatwirtschaft hat, dann so, dass man den finanziellen Aufwand des Kosumenten und des Produzenten/Verwerters in eine bestimmtes Maß bringen muss. Und speichern würde der Verleger seine Inhalte sowieso. Das Präsentieren im Web ist daher kein besonderes Gut.

Das Gegenargument besteht darin, dass es durch das Internet einen Interessensausgleich geben müsse, der durch den Markt derart verschoben sei, dass das Internet die Konsumenten übervorteile. Was hat sich geändert? Die Auflagen der Zeitungen und Zeitschriften sind kontinuierlich seit 20 Jahren gesunken. Der Grund liegt darin, dass der Werbemarkt zwar nicht gewachsen ist, aber die Anzahl der Zeitungen und Zeitschriften schon in den Achtzigern rasant angewachsen ist. Erst vor kurzem kam diese Entwicklung zum Stillstand. Die Ressource Werbegeld musste nun auf mehr Magazine verteilt werden. Diese Magazine produzierten mehr Druck-, Vertriebs- und Transaktionskosten weil sie mehr einfach mehr Einheiten darstellten. Dies konnte nur zum Teil durch große Druckdienstleister wie bspw. arvato bei Bertelsmann aufgefangen werden. Dann kamen extreme Investitionen in Software und IT-Dienstleister dazu, um neue Projekte im Netz zu starten. Dort war aber von Anfang an das Interesse an Kommunikation zwischen Nutzern schon immer größer als das Konsumieren. Also wurden Inhalte kostenfrei ins Netz gestellt, in der Hoffnung, dass die Nutzer dort wenigstens Reichweiten für Werbekunden darstellen konnten. Deren Skepsis sollte durch extrem niedrige Werbepreise (TKP im Vergleich zu Printmedien war und ist oft ein Bruchteil) reduziert werden. Targeting, also das zielgenau Werben bei bestimmten Kunden und Nutzern wurde eine Domäne der Suchmaschinenanbieter, sodass die Werbegelder, die bei den Verlagen landen sollten, bei Suchmaschinen landeten.

Nun konnten – anders als auf Papier – die Suchmaschinenriesen ihre Reichweiten direkt an Werbekunden verkaufen. Die Kunden waren entzückt, denn sie zahlten nur pro Klick oder pro Kaufentscheidung. Anders als im teuren Printbereich, ist der Werbemarkt deutlich transparenter als im Print.

Die größten Gewinner erzielten die Zeitungen aber mit Kleinanzeigen und Stellenangeboten, sie waren Gewinnbringer der Zeitungen und echter Mehrwert für die Leser. Beides wird mittlerweile über Spezialanbieter im Netz digital abgewickelt (ebay, monster, stepstone).

Übrig bleiben die kostenlosen Inhalte aus den Printredaktionen, die zum Teil für das Netz angepasst werden und quasi als Zweitverwertung im Netz angeboten werden um dort wenigstens ein bißchen Werbeeinahmen zu erzielen. Spiegel Online wird nachgesagt einen dreistelligen Millionenbetrag auf diese Weise jährlich umzusetzen. Andere tun sich schwer damit ihre Printinhalte online ein zweites Mal zu Geld zu machen. Das hat einen Grund, denn über 60% der Inhalte in den meisten Zeitungen kommen aus externen Quellen. Bei einer Lokalzeitung fällt es nicht so auf, dass die Inhalte auch ein paar Kilometer weiter dieselben sind. Keiner liest alle Zeitungen aus dem Umkreis von 100 Kilometern, würde er es tun, erlebt er dasselbe wie im Netz. Sehr viele Nachrichten finden sich täglich auf Dutzenden oder gar Hunderten von Webseiten fast identisch wieder. Dies ist keine schutzwürdige Leistung. Es ist schlicht das legale Kopieren derselben Agenturmeldung.

Da aber im digitalen Umfeld eine Kopie fast identisch ist mit dem Original, liegt auch im besonderen Template-Design oder der Rubrizierung eines Online-Magazins keine schutzwürdige Leistung vor. Vor allem dann nicht, wenn man den Nutzern vorwirft, dass sie das enorme Angebot auch noch nutzen, um heute hier und morgen dort die gewünschten Inhalte zu suchen und zu finden. Alles ist fast genauso einen Klick weit entfernt.

Sowohl Hubert Burda als auch Rechtsanwalt Hegemann wollen der Öffentlichkeit Glauben machen, die bisherige Praxis des total buy out der Schauspieler und Autoren durch umfassende Übertragungen der Urheberrechte lasse die Verlage quasi nackt im Regen stehen. Das Internet hat nichts an den Vertragsverhältnissen geändert. Seit den Änderungen des Urheberrechts (1. und 2. Korb) wurde die Rechtssituation immer weiter an die Verhältnisse im Netz angepasst. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie plötzlich (nach dem 1. Korb) aus allen Himmelsrichtungen die Autorenvereinbarungen auf mich eintrudelten, die extrem auf die digitale Verbreitung und Speicherung erweitert worden waren.

Wenn Sie weiter mit unserem Hause zusammenarbeiten wollen, bitten wir Sie diese Vereinabrung unterschrieben zurückzusenden.

Im An- und Verkauf von Nutzungsrechten an Artikeln und Fotos diktieren die Presseverlage die Konditionen. Daran hat das Netz nichts geändert. Nur das Geschäftsmodell mit den Anzeigen ist eingebrochen. Und das Netz wird dafür verantwortlich gemacht.

Dabei bieten die Suchmaschinenanbieter einfach nur mehr Leistung für weniger Geld an. Und die Kleinanzeigen und Stellenanzeigen sind weg. Beides haben weder die Nutzer und Leser zu verantworten noch können sie die ausgefallenen Umsätze über so eine Zwangsabgabe ersetzen. Das ist unredlich.


Nov 9 2009

Wenn Journalisten über die Zwillingserde namens Web nachdenken

Quelle: http://morguefile.com/archive/browse/#/?author=jesus-is-lord

Der Schirrmacher von der FAZ hat einen Web-Ritterschlag bekommen – er wurde von Nicholas Carr geadelt(der mit der Cloud Computing Bibel namens Big Switch). Schirrmacher hatte ein längeres, englisches Interview bei edge.org gegeben. Jetzt, zwei Wochen später schreibt Carr einen hymnischen Beitrag über das Interview, dass ich vor einigen Tagen kopfschüttelnd nach ein paar Minuten ausgestellt hatte. Zeit, es doch nochmal genauer anzusehen bzw. das Transkript durchzulesen.

Es war wie immer. Ein Offenbarung in Dilettantismus. Da lesen diese Herren unter dem Einfluß von Google und Internet Bücher über das philosophische Leib-Seele-Problem, oder allgemeiner die Philosophie des Geistes und schon haben sie klare Vorstellungen und Problemfelder vor sich, die den Bereich Wissen und Digitalisierung umreissen. Aber gehen wir ins Detail:

The question I am asking myself [which] arose through work and through discussion with other people, and especially watching other people, watching them act and behave and talk, [is] how technology, the Internet and the modern systems, has now apparently changed human behavior, the way humans express themselves, and the way humans think in real life … And you encounter this not only in a theoretical way, but when you meet people, when suddenly people start forgetting things, when suddenly people depend on their gadgets, and other stuff, to remember certain things. This is the beginning, its just an experience. But if you think about it and you think about your own behavior, you suddenly realize that something fundamental is going on.“

Ja, in den alten Tagen, als die Menschen noch einzelne Zettel oder ihr TimeSystem unterm Arm hatten oder noch früher, als jeder schwere Steintafeln mit den täglichen Einkäufen herumtragen mussten. Da hatten die Menschen noch ganz andere Gedächtniskapazitäten als heute. Man wird regelrecht dumm durch all dieses Ersetzen von Papier durch Datenbanken und Textfiles. Das leuchtet ein? Ja, tut es das? Ist der Ersatz von Papier durch Monitore Ursache für anderes Denken oder eine Veränderung des Gehirns? Wo findet überhaupt denken statt? Im Gehirn, in Synapsen, auf molekularer Ebene oder auf elektrischer? Warum können die Physiker die grundsätzlichen Fragen nach Raum und zeit nicht abschließend erklären? Und wenn die Dimensionen Raum, Zeit und Energie abschließend erklärbar wären, könnten wir dann auch das Denken, das Gedächtnis oder das Wissen erklären?

Nun, eine besonders schlaue Schicht von Intellektuellen hält das jahrelange Patt der Physiker nicht mehr aus, bis die Stringtheorie oder gar quantenmechanische Erklärungen der gesamten Welt nachgereicht werden können. Sie stürzen sich – im Jahr des Darwinismus auf die andere Leitnaturwissenschaft. Die ist zwar noch stärker auf die Physik angewiesen, kann aber auch ohne deren basale Erkenntnisse hübsche Modelle produzieren. Allen voran eben die Evolution. Da sie als Schöpfungsmythos auch noch holitischen Ansprüchen genügt, kann man eben die nehmen, seit die lahmen Raumzeitquerelen die Hirnforschung und andere im tüchtigen Fortschritt der Moderne behindern.

Schirrmacher:

As we know, information is fed by attention, so we have not enough attention, not enough food for all this information. And, as we know — this is the old Darwinian thought, the moment when Darwin started reading Malthus — when you have a conflict between a population explosion and not enough food, then Darwinian selection starts. And Darwinian systems start to change situations. And so what interests me is that we are, because we have the Internet, now entering a phase where Darwinian structures, where Darwinian dynamics, Darwinian selection, apparently attacks ideas themselves: what to remember, what not to remember, which idea is stronger, which idea is weaker.

Das ungelöste Rätsel namens Information löst der FAZ-Mann elegant mit dem Satz, das sie durch Aufmerksamkeit genährt wird. Diese steile These mag für einen Zeitungsmann verständlich sein, entbehrt in dieser Verkürzung aber jeder gedanklichen Begründung – es sei denn, man erlaubt ein „wie wir alle wissen“ als zulässige Begründung für den sehr schwierigen Begriff Information. Da es erst vor kurzem überhaupt zu dem Versuch gekommen ist, diesen Begriff interdisziplinär zu begründen, wäre die Annäherung der semiotischen Theorie und der Informationstheorie zu der intensionalen Bestimmung (Begriffsinhalt) als Bedeutung eines gemeinsam genutzten Übermittungscodes (Sprache, Schrift, Bild). Diese Information erfährt in der Konsequenz ihre „Futter“ durch den Gebrauch mehrerer Menschen in der Art, dass eine Übereinstimmung erzielt wird. Beispiel: Die Information im Wort Krebs wird erst dann klar, wenn mehrere Menschen ihren Kontext, also ihren Gebrauch des Wortes offenbaren. „Austausch“ wäre also die basale Bedingung und nicht Aufmerksamkeit. Denn ich kann chinesische Schriftzeichen mit Wonne betrachten, aber ihr Sinn erschließt sich nur mir selbst, wenn ich ihren Gebrauch nicht verstehe. Ich entwerfe also einen privaten Gebrauch nach Schönheit, Formensprache oder Größe etc – ein inneres Modell, das dann eben nicht Information ist, weil ich es nicht mitteile.

Und dann kommt Schirrmacher mit den Vermassungsphänomenen, die nun gar nichts mit Evolution zu tun haben. Denn Darwins Evolution postuliert ja gerade, das bestimmte angeborene Eigenschaften angesichts spezifischer lokaler Gegebenheiten eine höhere Tendenz zur Fortpflanzung haben. Zunächst sind die Variationen per Zufall entstanden und dann selektiert der lokale Kontext die Gene, die sich am meisten fortpflanzen. Die Selektion ist also immer dort vorhanden, wo spezifische lokale Gegebenheiten wie das Klima, die Vegetation und eventuelle Feinde oder Wettbewerber eine Benachteilugung oder Bevorzugung für bestimmte phänotypische Ausprägungen einer Spezies bedeuten. Schirrmacher hat also Darwins Idee gar nicht verstanden. Er begeht noch nicht einmal den Fehler Lamarcks.

Der Gedanke, dass das Internet als Ersatz für die langsamen Briefe und Bücher, nun einen revolutionären oder kategorialen Einfluss auf Idee hat ist schlicht dumm. Denn weder das Medium, noch die Umgebung stellt nach Darwin einen Vorteil für Organismen dar. Nur dann, wenn die Fortpflanzung bestimmter Eigenschaften behindert oder befördert wird. Aber allein das Ineinsetzen von Genen und Memen (Gedanken) ist schon ein unzulässige Konzepltualisierung von Darwins Theorien auf die Ebene mentaler Gehalte. Denn die Gene stellen einen Bauplan (Genotyp) dar, den man als Informationsgrundlage für spätere Erscheinungen (Phänotyp) als Individuuen darlegen kann. Ein Mem, also das gedachte mentale Analogon zum Gen hat aber gar nicht nicht so eine Grundlage, deren Erscheinung zufällig ans Tageslicht kommt. Denn es ist mitnichten so, dass man – wenn man alle Gene eines Organismus kennt – auf den Phänotyp schließen kann. Das ist eines der Probleme der Paläontologen. Sie haben zwar Genmaterial der Dinosaurier, aber können auf dieser Basis keine Aussagen über das Aussehen machen. Diese Theorie des Memkonzepts, die Daniel C. Dennet vertritt, denn Schirrmacher ja im Interview auch nennt, ist also defizient in ihrem Erklärungsmodell.

Und dann kommt Schirrmacher – ohne es explizit zu nennen – zu Schelling und Hegel mit dem Modell des Weltgeist. Darauf berufen sich ja mittlerweile viele Apologeten der digitalen Wissensmaschine namens Web. Google hat ja das Ziel, diesen Weltgeist mit seinen Werkzeugen zu bauen, deshlab sollen ja möglichst viele Inhalte aus Websites und nun auch durch Picasa, Gmail, Google Docs und neuerdings auch Wave in die Maschien eingespeist werden. Der Denkfehler in diesem Vorhaben wurde schon vor vielen Jahrzehnten von Gilbert Ryle offen gelegt:

Ein Südseeinsulaner sieht seinem ersten Fußballspiel zu. Man erklärt ihm die Funktion des Torwarts, der Stürmer, Verteidiger, des Schiedsrichters usw. Nach einer Weile sagt er:

„Aber da ist doch niemand, der den berühmten Mannschaftsgeist beisteuert. Ich sehe, wer angreift, wer verteidigt, wer die Verbindung herstellt usw.; aber wessen Rolle ist es, den Mannschaftsgeist zu liefern?“

Ryle nennt dies einen Kategorienfehler. Maschinen können zu keiner Zeit eine korrekte Kategorie angeben. Sie entsteht immer erst im Menschen aufgrund seiner aktuellen Situation. Insofern sind auch alle Spiele mit der Zeit, die bei Computerfreaks sehr beliebt sind, einfach nur mathematische Modelle ohne das leitende Axiom. Und Schlüsse ohne leitendes Axiom (aktueller Hintergrund des Nutzers) mögen formallogisch stringent sein, aber sie sind ohne Relevanz.

Schirrmacher folgt anderen Beobachtungen:

Gerd Gigerenzer, to whom I talked and who I find a fascinating thinker, put it in such a way that thinking itself somehow leaves the brain and uses a platform outside of the human body. And that’s the Internet and it’s the cloud. And very soon we will have the brain in the cloud. And this raises the question of the importance of thoughts. For centuries, what was important for me was decided in my brain. But now, apparently, it will be decided somewhere else.

Nun kommen einige mysteriöse Querverweise ins Spiel. Das Denken verläßt das Gehirn. Wer weiter oben aufmerksam gelesen hat, wird verstehen, dass das Denken als Probehandlung auf der Basis früherer Erfahrungen oder Gespräche immer schon auf die vergangene Interaktion mit Menschen rekurrieren musste, um überhaupt Teil des Welt- und Umweltmodelles eines Menschen zu sein. Tagträumereien, in denen rosa Elefanten Auto fahren, verschmähte Geliebte zurückkommen o.ä. zeichnen sich nämlich dadurch aus, dass sie die reale Welt transzendieren. Leider werden sie nicht als Wissen bezeichnet, aber das ist eine andere Diskussion.

Dieses ganze Cloud und Internet Gefasel ist höchstens ein Vehikel, wie Menschen, die eine naive (Descartsche) Vorstellung von mentalen Vorgängen haben, den nächsten Schritt in die Philosophie des Geistes im 20. Jahrhundert machen. Aber die Welt ist schon etwas weiter. Denn im 3. Jahrtausend ist der Denker selbst, also das so genannte Selbst ein Modell, dass entworfen wird, um verschiedene Verrichtungen im Alltag zu leisten. Es ist nicht stündlich notwendig, wie wir aus den nächtlichen Träumen wissen. Aber diese Diskussion wird für Schirrmacher sicher schon zu schwierig, denn dann müsste er verstehen oder noch bessser akzeptieren, dass er nicht Produzent seiner Gedanken ist sondern einfach nur Träger. Und dass er alles beweisen würde, was er denkt, nur um sein Selbstmodell nicht existentiell zu gefährden. Aber das man auch dieses Modell namens Selbst als Simulation bezeichnen kann wie jedes ordentliche Computerspiel auch.

Insofern ist das Web nicht einfach eine zweite Welt. Auch wir sind nicht einfach Konstrukteure unserer persönlichen Welt. Wir sind Konstrukteure eines Modells, dass unsere phänomenologischen Inhalte (das was wir wahrnehmen) zu einem Ganzen zusammen fasst. Und das gelingt am besten mit anderen zusammen. Wer es allein und auf eigene Faust versucht, der wird das, was wir „irre“ oder „verrückt“ nennen. Das kann mitten unter uns geschehen. Und zwar immer dann, wenn Eltern keinen Zugang zu ihren unmittelbaren Urteilen haben (Gefühle) sondern jedes Geschehen in eine rationale Struktur einbetten, die ihr Selbstmodell als Abwehr vor zu viel Aussenwelt aufgebaut haben (Charakter/Persönlichkeit). Die kleinen Menschen erleben dann keinen direkten Kontakt ihrer unreflektierten eigenen Gefühle mit anderen Gefühlen. Sie bauen viel zu früh einen Charakter auf, der sich eigentlich erst hinterher auf der Basis gespiegelter Gefühle entstehen sollte.

Es besteht die Gefahr, das sehr viele Menschen dieses Internet als ein Medium begreifen, dass diesen direkten Kontakt hervorragend ersetzen kann. Das mag stimmen, aber nur für Leute, die vorher eine angemessen Persönlichkeit auf der Basis echten gefühlsbetonten Kontakts in der Kindheit entwickeln konnten. Alle anderen werden das Netz nicht als Wissensnetz benutzen sondern als Simulation solcher Beziehungen ohne die Angst echten Gefühlen zu begegnen, die sie selbst nie bei anderen und sich erlebten sondern nur in Vermittlung durch Medien wie TV, Büchern oder eben dem Web.

Dabei ist es interessant, dass Menschen die Dinge am besten behalten können, die zusammen mit positiven oder negativen Gefühlen erlebt wurden. Das Gedächtnis ist also existentiell angewiesen auf ein stabiles Zentrum, dass die Horizont für neue Erkentnisse, Erfahrungen und Ideen setzt.

Die Tatsache, dass Menschen den Computer als eine Hierarchie bauten, die komplexe Aufgaben in kleinen Schritte zerlegte, hat Einfluß auf unser Denken über das Denken. Denn wer glaubt, dass das alle Theorien über mentale Prozesse sind, der schränkt die Philosphie des Geistes derart ein, dass nur naoch das Gültigkeit hat, was auch maschinell umsetzbar ist. Bereits mehrwertige Logiken, Heterarchien oder gar parallele Prozesee überschreiten dann schon die Idee des menschlichen Denkens. Das ist Quatsch. Wenn der Computer eines Tages statt den beiden Zuständen 0 und 1 noch mehr „Aggregatzustände“ enthält, dann können wir wieder über die Macht der Wissensmaschine nachdenken. Bis dahin ist der digitale Weltgeist auf dem mentalen Niveau eines Fötus.




Nov 3 2009

Die Aufkläriker – Psalm I, Vers 1

Und so hingen sie denn in den Seilen und verpafften all das schöne Geld, das sie früher säckeweise in die Steueroasen nach Andorra, nach Jersey oder die Cayman Islands verbrachten. Es ward ihnen eine Nachricht geboren worden von der unheiligen Wirtschaftskrise. Man jammerte und palaverte gar vierhundert Tage schon über diese achte Plage, die über sie gekommen worden sein sollte. Aber die Steimetzen konnten kein Unheil erkennen in den vielen Heuschrecken, die seinerzeit über Land zogen. Sie fanden in allem, was stattfand einfach nur einen neuen Grund die Welt aufzuschreiben für diejenigen, die wegen ihrer Arbeit kein Auge für die Welt haben konnten.

Und so schlugen sie weiter mächtig den Fäustel, auf dass die Lettern nur so herumflogen. Und alsbald hatte sich eine Nachricht verbreitet wie eine Steinplatte: Es waren nur diejenigen schlecht gelitten, die mit ihrem eigenen Geld gespielt hatten. Diejenigen, die mit dem Geld der anderen spielten, waren in lustiger Runde beisammen und durchzechten so manche Nacht.

ruineDie Herren der Steinplatten reduzierten die Steinmetze, setzen sie auf Wasser und Brot und rationierten sogar deren Sonnenschutz, damit sie mehr und bessere Buchstaben schreiben sollten. Wagemutige Helden erfanden neue Formen der Steintafeln, die das Lesen zu einem besonders attraktiven Erlebnis machen sollten. Sie erfanden sogar viele verschiedene Ort des Lesens, in der guten Stube, bei der Arbeit sogar kleine Ausgaben der Lettern zum Mitnehmen wurden verbreitet, auf das man die wohlbestallte Kunde vernehmen sollte auf der ganzen Welt.

Als man nach Tausenden Jahren fragte, warum denn nun im zweiten Jahrtausend immer noch soviele Ideen und Meinungen zu bezahlten Buchstaben verwandelt wurden, da kamen die weisen Männer und erklärten den Ursprung der goldenen Buchstaben:

Einst hatten diese Völker unter der Knute eines mächtigen Gottes gelebt, der nicht mit den Völkern direkt sprach, sondern nur über besondere Männer. Eigentlich war es auch nicht der Gott, der die Knute schwang sondern die Herren des Gotteswortes, die zusammen mit den Herren des Schwertes den Arbeitenden auf den Äckern und in den Minen ihre Vorräte raubten, um daraus Schlösser und feinen Tand zu weben.

Die Reitervölker, die nur mit Pfeife, Schwert, Helm und Pferd zurecht kommen mussten, nahmen, was sie brauchten. So baute man große Mauern gegen die Sklaven- und Beutejäger. Innerhalb der Mauern glaubte man sich sicher. Aber dort waren auch Slaven- und Beutejäger, die sich von den Reitervölkern etwas Besonderes abgeguckt hatten. Man nannte es Privateigentum. Es wurde bei den Reitervölkern ins Grab gelegt, damit es den Weg ins jenseits fand. Die Menschen innerhalb der Mauern gaben sich aber nicht mit dem zufrieden, was man am Leibe trug; und erst recht nicht mit dem, was jetzt im Moment passierte. Sie wollten die Sklaven an sich binden. Das gelang mit verführerischen Ideen, die die Leute bezauberten. Man erfand Wege, um besonders bezaubernde Ideen über den Tod hinaus zu tragen wie die Helme und Schwerter der reitenden Horden. Die Jünger und Prediger des einen Gottes hatte lange Seite an Seite mit den Gutsbesitzern und dem gemeinen Volk gekämpft gegen die Reiter. Dann aber hatten sie eine Idee. Sie erfanden das Liespulver.

Mit diesem Liespulver konnte man Köpfe zum Explodieren bringen. Man konnte Knechte zu Herren machen und umgekehrt. Deshalb durften nur besonders ausgebildete und von den höchsten Priestern geweihte Menschen zum Aufseher über das Pulver werden. Man nannte sie Sprengmeister.

Als aber genug Köpfe explodiert waren, da formte sich die Idee, dass eigentlich jeder selbst ein Abbild dieses einen Gottes war und deshalb Teil der Schöpfung war und selber Buchstaben zu Ideen, Sagen, Lehren oder gar Wirklichkeiten formen könnte. Innerhalb der Mauern kam es zum Kampf und einige Priester, die sich dem gelehrten Volk nahe fühlten, riefen die Revolution gegen die alten Kirchenherren aus (eigentlich war das den Herren der Schwerter ganz recht, weil sie dann weniger Konkurrenz hatten).

Am Ende rief man nur noch aus, dass jeder ein ICH sein und von nun an selber bestimmen müsse, welchen Weges er gehe und woher er komme. Das verunsicherte die Menschen ein bißchen, hatten sie doch jahrhundertelang immer in das Buch namens Bibel geschaut, um zu sehen, wie etwas zu deuten sei.
Das machten sich die ehemaligen Sprengmeister zunutze und nannten sich fortan Lehrmeister und schrieben bis zum heutigen Tag einen Text nach dem anderen, um den Menschen da draußen den rechten Weg zu zeigen. Man wurde reich damit, weil es so wenige Leute gab, die Bücher bauen konnten.

Dann kam ein neues Buch auf den Markt, das mit einer Leuchte und einem weltweiten Kabel verbunden war. Dieses Buch war anders. Jeder konnte darin schreiben. Das war faszinierend. Aber wer selber schreibt, der liest weniger. Außerdem waren nun keine einzigartigen Menschen mehr innerhalb der Mauern, weil ja jeder so ein Buch machen konnte. Und es gab auch keine Mauern mehr, weil seit vielen Jahrhunderten die Menschen frei reisen konnten ohne Angst vor den Horden zu haben. Wo waren die Horden geblieben? Sie lagen lange vor Madagsaskar und hatten die Pest an Bord. Aber eines Tages befahl ihr Admiral, dass sie nun auch freie Händler sein konnten, was so etwas ähnliches sei wie freie Bürger. Da ritten die Horden wieder über die Welt und hieben keine Köpfe ein sondern brachten den günstigsten Tand, den Menschen bauen konnten in jeden Winkel der Erde.

Und die Buchstaben? Sie tragen noch immer die Gedanken über den Tod hinaus in alle Welt. Aber wer dachte, man könnte wie die Horden einfach seinen Stabensalat in die ganze Welt tragen, der hatte sich getäuscht. Denn die Menschen hatten eigene Denker und Schreiber gefunden und mussten nun nicht mehr seitenweise unwichtiges Zeugs einkaufen um zwei tolle Artikel zu finden. Es war wie im Paradies, denn die industrielle Revolution hatte einen würdigen Nachfolger gefunden: die individuelle Revolution.

War das Individuum ein kluger Schachzug der Herren der Schwerter gewesen, um die Kirchenfürsten ein für alle Mal loszuwerden, hatte die individuelle Revolution am Ende das Individuum als allmächtiges Abbild des einen Gottes auch noch abgeschafft. Ein Mann namens Nietzsche hatte schon vor langer Zeit eine Grante in den Garten der Geschichte geschmissen und zufällig den Gott getroffen. Der Mensch wurde also wieder zum Wesen des Hier und Jetzt. Er fand Gruppen und Gemeinschaften, die wuchsen und schrumpften und Staaten nur noch anhand von Themen und Aufgaben lenkten. Abstraktionen wurden wieder vorsichtig zurück in die Schädel der Menschen gelegt, wo sie im Frühjahr zu herrlichen Blütenstauden heranwachsen.

Den Rest, lieber Kinder und Kinderinnen, kennt ihr. Denn danach begann unsere Zeit. Die Zeite ohne das Werden. Denn ehrlich gesagt, wer soviel Zeit hat, um seinen Grillen zu folgen und sie sogar aufzuschreiben, der hat das Paradies schon längst erreicht. Bis die Menschen merkten, dass Ihr Wunsch, anders zu sein, die Ursache ihrer Leiden war, dauerte es noch bis zu unserer Zeit – also bis fast ins Jahr 2600 nach dem Erfinder des Ich.