Mrz 31 2009

Facebook will an die Börse und feuert deswegen Finanzchef

facebook-austrittDie Ereignisse bei Facebook überschlagen sich. Der Brain Drain hält an. Gideon Yu, CFO bei facebook wird gegangen.

Die Begründung ist noch sensationeller: Man will an die Börse. Ich denke, dass er wusste, dass dies der denkbar schlechteste Zeitpunkt dafür ist. Aber wenn der obere Manitou so entscheiden hat, dann müssen Bedenkenträger wohl ihren Hut nehmen – auch dann, wenn sie dafür verantwortlich sind, dass es facebook noch immer gibt.

Angesichts der gestern beschriebenen sehr schlechten Finanzausstattung des sozialen Netzwerks tönt man heute gegenüber techcrunch mit der ganz großen Schalmei:

Facebook confirms that CFO Gideon Yu will be leaving the company. Gideon has played an important role in helping us achieve our financial success, building a strong finance team and establishing the core financial operations of our company. We are grateful to Gideon for his contributions to Facebook and what we are trying to accomplish. Despite the poor economic climate, we are pleased that our financial performance is strong [sic!] and we are well positioned for the next stage of our growth. We have retained Spencer Stuart to lead our search for a new CFO and will be looking for someone with public company experience.

Kaum zu glauben, aber wahr. gestern noch ein 100 Millionen Loch und heute ist alles in Butter. Es wird eng in Palo Alto. Naja, dann heißt facebook eben bald MSbook, ist ja auch nicht schlimm. Mal sehen, ob die Jungs und Mädels um Zuckerberg noch genug Geld haben, um sich aufzuhübschen und die Fassade zu streichen.


Mrz 31 2009

Google sucht das SuperStartup

goog_venturesGestern abend um 21:15 PDT gaben

Welchen Fokus hat Google Ventures?

Google Ventures ist breit aufgestellt und ermutigt Startups in Sektoren wie Consumer Internet, Software, Hardware, Clean-tech, Cio-tech, Gesundheitswesen und viele mehr, heißt es in den FAQs. Zunächst suchen wir Gründer, die kreative und innovative Lösungen gefunden haben bzw. finden. Und als Vermögensverwalter zielt natürlich auch Google Ventures auf Gelegenheiten, das Geld mit deutlichem Gewinn anzulegen.  Eine Kooperation mit dem Mutterkonzern ist möglich und wird als hilfreich betrachtet, aber es ist offenbar nicht der Hauptfokus. Zumindest wird das explizit beteuert. Ich könnte mir allerdings schon vorstellen, dass die Forschungsabteilung von Google Inc. gerade die kreativen Ideen mitbekommen wird. Es kann ja nichts Schlechtes sein, einen jungen Gründer rechtzeitig mit viel Geld in die eigenen Abteilungen abzuwerben und die Sache unter einem großen Dach weiterzubasteln. Honi soit qui mal y pense. Die FAQ-Liste ist voller Entgegnungen auf mögliche Einwände. Das liest sich sehr seltsam. Es erinnert mich ein wenig an die alten Tricks der Versicherungsvertreter, die 10 Minuten zu spät kommen und von einem XYZ-Fall berichten, der gerade auf dem Weg zum Kunden passiert ist bei dem ein Kind/eine alte Frau/eine Schwangere/ein alleinverdienender Familienvater einen schweren Verkehrsunfall so gerade eben überlebt haben. Aber was tun nun die armen Angehörigen/Kinder/Ehefrau/Eltern etc.?

Angesichts der Querelen um Facebook kann man Google ja gerade mal keinen Vorwurf hinsichtlich Datenkrake oder ähnlichem machen. Monopolisten wie ehemals Microsoft (in der Prä-Anwender-Linux-Ära) oder ehemals Google (in der Prä-Twitter-Ära) verlieren doch deutlich an Profil für die weltweite Verschwörungsgemeinde. Mal sehen, ob das alte Feindbild jetzt wieder neu poliert wird.

Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht geht es einfach darum, nicht Anschluß zu verlieren in die Cloud Computing Ära, die ja außerhalb von Deutschland schon ganz gut anläuft.

Die Sonne ist ganz aufgegangen. Kein Nebel. Es wird ein sehr schöner Tag auf der Web 2 Expo. Ich gehe duschen und schau mich dort mal um.


Mrz 29 2009

Konsolidierung: Soziale Netzwerke in USA und Europa haben Probleme

ob facebook eine entlassungswelle droht?

Ob facebook eine Entlassungswelle droht?

Als erstes könnte es wohl die Alleinherrschaft Zuckerbergs bei Facebook treffen. Der einstige Liebling der SN Szene war mal mit 15 Milliarden bewertet als Microsoft 240 Millionen $ Risikokapital gab. Jetzt brauchen sie dringend Geld, was sehr tief blicken lässt. Hatte Finanzchef Yu doch insgesamt beeindruckende 500 Millionen Dollar  eingestrichen. Jetzt brauchen sie schon wieder einen Kredit über 100 Millionen, die sie von ihrer Bank (BoA) oder ihrem alten Risikokapitalgeber (TriplePoint/Li-Ka Shing) wohl kaum bekommen werden. Ob andere Kapitalgeber bereit stehen, ohne das Netzwerk in einen großen Konzern auf gehen zu lassen, bleibt fraglich. Dieses Problem haben gerade viele Netzwerke der ersten Stunde. Entweder sie veralten in Ehren und sind nicht mehr besonders hip ( ups, MySpace hübscht sich gerade mittels Microsoft für die mobile Webrevolution auf, endlich einer der anfängt, am 30.03. hinzugefügt) oder enthalten kaum mehr als Diskussionsforen und eine Liste an virtuellen Visitenkarten sowie rudimentäre Eventtools (obwohl Xing ja hoch profitabel ist), oder sie haben schon echte Web 2.0 Widgets und Machups integriert, schnappen aber mangels Nutzern nach den ersten Enterprise 2.0 Kuchen (wie die Partnerschaft von LinkedIN und IBM zeigt), was auch das Ende der Unabhängigkeit bedeuten kann .

Die Tatsache, dass Peter Thiel, Mitglied im Board (vergleichbar dem Aufsichtsrat) bei Facebook gegenüber businessweek vor einem Monat noch großspurig erzählte, dass genug Geld vorhanden sei, macht die ganze Geschichte – vorsichtig umschrieben – ungünstig. Ursache ist etwas, was man vor einem Jahr noch als Erfolg beschrieben hätte: Der Anstieg der Nutzerzahlen von 100 Millionen auf 275 Millionen – allein im letzten Quartal um 75 Millionen. Dies ist die Ursache für den enormen Hardwarebedarf, der mit den 100 Millionen gedeckt werden soll. Es fehlt aber noch immer ein tragfähiges Geschäftsmodell. Da aber kein Berater dort wußte, dass 2009 das Jahr der Entscheidungen wird hinsichtlich des Überlebens von Bannerwerbung im Netz – und nach Prognosen von J.P. Morgan Stanley der Search Advertising Markt bald den Umfang der Radiowerbung überschreitet – hatte und hat Facebook mindestens ein Problem.

search-advertising

Ein weiteres liegt darin begründet, dass Werbung in sozialen Netzwerken besser monetarisiert werden müsste, was facebook offenbar nicht tun will oder tun kann. Angesichts der Tatsache, dass das Werbeeinkommen laut emarketer im Zeitraum von einem Jahr um 10% gestiegen ist, wäre es Zeit, Investoren etwas mehr Kreativität oder Expertise zu demonstrieren. Ich hatte darüber schon berichtet, da ich gerade eine Studie für eine Investorengruppe verfasste, die gerne einsteigen würde, aber aufgrund der desolaten Ausrichtung und schneckenartigen Geschäftsfeldentwicklung amerikanischer und europäischer Netzwerke in Asien investieren wird.

Es bleibt abzuwarten, wer es schafft, einen guten ROI im Umfeld sozialer Netzwerke zu realisieren. Die prädemokratischen Führungsstile in einigen Sozialen Netzwerken beschleunigen einen enormen brain drain und werfen kein gutes Licht auf die innere Bewehrung angesichts der neuen Sozialen Netzwerke zweiter Generation wie Twitter oder etsy, wobei letzteres Bahnbrechendes leistet aus ökonomischer Sicht und demnächst sicher auch ein kleine Finanzspritze erhalten könnte, wer weiß…

Wenn Zuckerberg Anteile abgibt, wird er auch Macht abgeben müssen. Dass er sich in der Vergangenheit nicht besonders geschickt angestellt hat beim Führen und Leiten der Firma ist offenbar. Wer wird ihn auf einen gesundern Weg bringen oder gar die gesamte Nutzerschar in die eigene Tasche befördern?

Nachtrag:

Offenbar ist es eine eher „systemische“ Entwicklung der sozialen Netzwerke. Hi5 mit 80 Millionen Nutzern an dritter Stelle hinter Facebook und MySpace hat bereits letzten Herbst 10% seiner Mitarbeiter entlassen und ist laut techcrunch gerade im Begriff bis zu 50% der Belegschaft mehr Freizeit zu verschaffen. Hi5 ist zwat amerikanisch, aber hat die meisten Nutzer in spanischsprechenden Ländern der Erde, obowhl 23 Sprachen angeboten werden. Ein Problem der Firma aus San Francisco ist die geringe Monetarisierung der vielen Nutzer mit Werbung. Marketing-Chef Mike Trigg begründet die Entlassungen allerdings mit einer Neuausrichtung des Geschäftsmodells.


Mrz 28 2009

Was war. Was ist. Was könnte sein?

gefunden bei Martin Koser.

Die Geschichte mit dem Supercomputer, der die Fähigkeiten des Gehirns übersteigt, wird es natürlich erst dann geben, wenn es Computer gibt, die über die zweiwertige Logik (ist-nicht ist) hinaus reichen. Diese Logikmodelle gibt es zwar schon, aber nicht in den Compuertwissenschaften. Ich rechne damit circa im Jahr 2120, wenn ParallelComputer mit 1024Prozessoren 4096Bit Wortbreite verarbeiten können, ohne den jährlichen Elektrizitätsbedarf von Nordamerika in sechs Sekunden zu verspachteln. Ab 2190 gibt es den dann für 1000$….


Mrz 27 2009

Enterprise 2.0 in den Wolken – ein 40 Milliarden € Markt ?

Das Wall Street Journal, dieses mysteriöse Gerät, das mit Paid Content echtes Geld verdient, hat die Kristallkugel angeschmissen: Im Jahr 2012 beträgt der Markt des Cloud Computing  geschätzte 42 Milliarden Dollar. Ein hübsches Sümmchen – ungefähr die Hälfte des ganzen Software-Umsatzes weltweit. Da kommt es nicht von ungefähr, dass Dion Hinchcliffe, Experte für Enterprise 2.0, seinen analytischen Blick auf diese besondere Entwicklung richtet.

Fluch oder Segen des Cloud Computing

Denn eines ist offenbar. Wenn Cloud Computing wirklich die Entwicklung nimmt, die die Runenbeauftragten des WSJ vorhersagen, dann hat das einen enormen Strukturwandel zur Folge. Denn dann gäbe es wieder die enorme Dominanz von wenigen Anbietern, die die gesamt Infrastruktur und den Kampf darum unter sich ausmachen würden. Die Folge wäre, dass die aktuelle Dominanz der Open Source im Infrastrukturumfeld der WebServer und Apllikationsserver Geschichte wäre. Die Auswirkungen könnten fatal sein für das stetige Wachsen der weltweiten Demokratisierungsbewegungen, die auf freie Software angewiesen ist, da dies sowohl die Kosten klein hält als auch den Einfluß auf die Werkzeugentwicklung sichert. Die Auswirkungen könnten aber auch fatal sein für die Anbieter selber. Denn Hinchcliffe sieht einen neuen Kampf um die Basis der Vernetzung vorher.

geeekandpokeDieser Kampf der Giganten miteinander wird natürlich auf dem Rücken der Kunden ausgetragen. Proprietäre und undokumentierte Schnittstellen, Strukturen und Funktionen, das berühmte Lock-In Syndrom, mit dem Anbieter die Kunden günstig mit aktuellen Systemfunktionen anlocken und dann bei den Brot-und-Butter-Anwendungen die ganz große Melkmaschine aus dem Keller zerren. Wir kennen alle diese Systeme, um ganze Plattformen in Firmen unterzubringen und damit eine enormen Abhängigkeit zu kreieren, die durch Open Source zumindest teilweise durchbrochen wurde.

Aus der Sicht einer Demokratisierung der vernetzten Arbeitswelt wäre das eine äußerst dystopische Vorhersage. Denn gerade das Ausprobieren einfacher und leicht zu installierender oder per Mashup oder API leicht integrierbarer Anwendungen oder Widgets ist ja das Wesen einer guten Enterprise 2.0 Initiative. Jeder darf alles mal Ausprobieren, muss aber den Kollegen und Mitarbeitern berichten, was gut und schlecht gelaufen ist und was sich bewährt hat. Wie viele Mitarbeiter wissen, sind solche echten Enterprise 2.0 Projekte auch heute noch eher selten. Eine mehr oder weniger gute Consultingfirma kommt ins Haus. Sie kennt sich im Zweifel mit Jive, Connectbeam und Atlassian aus und propagiert deren Produkte mit den Worten: „Das läuft auch bei …(setze hier bitte die Namen von zwei DAX-Unternehmen und zwei Fortune500-Firmen ein) und ist da ein Renner. Die Mitarbeiter sind begeistert.“

Tötet Cloud Computing best of breed?

Auf dieser Ebene würde E 2.0 dann nicht mehr verkauft werden können. Denn dann hieße es, was läuft auf der Cloud Plattform, für die sich die Firma vor Jahren entschieden hatte. Die Gründe die für Cloud Computing sprechen (Skalierung, kontrollierbare Wartungskosten, agile Entwicklung von Projekten und Softwareapplikationen) könnte sich ganz schnell ins Gegenteil wenden. Die Übersicht und Kontrolle wäre futsch. Die Freiheit der Entscheidung nach funktionalen Gesichtspunkten wäre vorbei. Ich gebe zu, dass Firmen diesen letzten best-of-breed-Ansatz auch mit der Entscheidung für Gigantlösungen wie Outlook/Sharepoint und Notes/Domino/WebSphere schon lange verlassen haben.

Aber E 2.0 könnte eigentlich ein Weg sein, um die Abteilungen und Projekte wieder zu ermutigen, aus einem Blumenstrauß an Applikationen im Intranet die passende zu wählen und auszuprobieren.

Und der normale Nutzer, was hat der davon?

Was denkt da der geneigte Leser?

Macht doch sowieso keiner, weil im Alltag gar keine Zeit und Chance besteht, so etwas auszutesten, außerdem haben 12 Projektmitglieder immer auch zwölf Meinungen zu einem Tool. Da kommt man sowieso nicht auf einen grünen Zweig.

Und genau für diese Art der Unmündigkeit ist Cloud Computing eine echte Hoffung. Drei Anbieter, drei halbherzige APIs und ein oder zwei Standards an die sich eh keiner außer den 125364 mittelständischen Goldpartnern hält. Das alles hatten wir schon mal, haben es noch.

Vielleicht aber ist Cloud Computing mit all seiner Faszination der schnellen Umsetzung ohne Rücksicht auf vorhandene firmeneigene Strukturen, mit einer robusten und verlässlichen Basis inklusive praktische Tools für Entwickler und sogar erfahrene Laien, die mal eben ein Wiki oder eine laconica-Instanz für eine Abteilung aufsetzen, eine echte Offenbarung für die Akzeptanz des Computers als Werkzeug, das Zeit und Arbeit spart und nicht noch benötigt. Aber diese Erwartung kann eben auch einige alte und neue Anbieter verleiten zum alten Marktgebaren des Dealers, der genau weiß, dass seine Kunden immer wieder kommen werden (müssen).

Und dann hätten wir eine großartige Chance verspielt, das Versprechen, das Computer dem Menschen das Leben erleichtern, endlich einmal wenigstens ein bißchen einzulösen


Mrz 25 2009

Kommunikation 2.1: Social Newsroom – und gut is?

zukunftEin lustige Geschichte trägt sich zu dieser Tage. PR Menschen sehen das nahende Ende Ihrer Zunft, denn Firmen finden den direkten Draht zum Markt per Web. Und auch Obama verschickt seine Grußbotschaften jetzt ohne Diplomaten direkt per Video.

Was die Guerilla kann, das können wir schon lange, denken sich die Firmen und entdecken ein bisher unbekanntes Wesen: den Kunden. So wie Privatbanken urplötzlich feststellen, dass die Billionen Euro der Sparbücher gar nicht so ganz schlecht aussehen neben den paar Hundert Millionen Private Equity Kapital. Genauso stellen Firmen fest, dass man im Markt Menschen vor sich hat, die vielleicht mehr können als das Portemonnaie zu öffnen. Sie sind offenbar in der Lage zu hören und zu sehen, die können sogar selber etwas sagen, aufschreiben oder gar filmen. Sozusagen Kommunikation 2.0.

Oder wie es ein lustiger Politikprofessor namens Karl-Rudolf Korte auf dem Abschlusspanel der Mainzer Tagen der Fernsehkritk sagte: interpersonale Kommunikation. Als ich dieses Wort hörte, bekam ich einen zweiminütigen Lachkrampf. Er meinte das mit vollem Ernst. Im Web gebe es eine ganz besondere Qualität, nämlich interpersonale Kommunikation der Politik und der Parteien mit dem Wähler. Also ein Medium mit Rückkanal. Oder wie ganz steinalte Menschen sagen: interaktiv. Irre dieses Web, einfach echt tofte. Wenn der stupend kluge Professor mithilfe des Webs entdeckte, dass es Kommunikation neuerdings sogar zwischen den Menschen gibt, dann kann das Teufelszeug so schlecht nicht sein.

Das Sinusmillieu versinkt im Cotangens

Früher waren Heerscharen an Beratern über die knifflige Aufgabe vertieft, welches Sinusmllieu zu welchem Produkt passt. Heute hat ein Produkt eine Facebook-Seite und schon klappt es mit dem direkten Feedback. Jahrzehnte der Marketingwissenschaften sind zum Teufel. Denn der direkte Kontakt ohne vermittelnde Experten als Mittelsmänner und -frauen hat Vorteile. Man bekommt direkte und ehrliche Meinungen zum Nutzen und zur Qualität der eigenen Produkte für lau. Keine Millionen mehr in Studien und Tests und Marktforschung in den Sand gesetzt. Das Web zeigt es denen, die da sehen können. Aber wer hat schon die Augen dazu? Das kommt ihnen bekannt vor? Haben Sie alles schon im cluetrain manifesto vor zehn Jahren gelesen?

Ja, liebe Kinder und Kinderinnen. Jetzt zeige ich Euch etwas ganz Neues. Denn wer Marketing für ganz kleines Geld in sozialen Netzwerken macht, ist fast hip. Wer First Level Support über Twitter macht, der (ups Tschuldigung, das machen nur amerikanische Firmen, kommt hier erst nächstes Jahr). Also, wer heute das tun will, was letztes Jahr in USA der dernier cri in der Kommunkationswelt war, der macht einen Social Newsroom.

Social Newsroom ist Web 2.0 für fast Kluge

Lustige Leute laufen jetzt umher und erklären dem staunenden Publikum das mit Web 2.0 alles besser wird. Denn früher posaunte man einfach mit einer Pressemitteilung per E-Mail-Verteiler oder via kostenpflichtigen Verteilerdiensten alles in die Welt. Und wenn die Inhalte in den 1001 Datengräbern im Netz fest gespeichert waren, wurden die Kassen der Clippingdienste voll und die Minen der Vertriebsleute trüb, weil das 1001fache Speichern der Presseinformationen gar keinen Nutzen hatte, weil nur spannende oder aktuelle Inhalte im Web herumgereicht werden. Das sagen aber die tollen Web 2.0 SocialNewsroom-Berater keinem. Weil, mehr und tollere Dateiformate machen aus einer neuen trendigen Form der Wasserflasche der Marke XYZ keine spannende Nachricht. Auch wenn das coole Video der Werbefirma auf Youtube sechs Kommentare hat und die zehn Statusmeldungen auf Facebook dazu einen Erfolg suggerieren.

Haben Sie es gemerkt. Ich habe eine ungeheure Sache beschrieben: Im Dritten Jahrtausend werden Inhalte herumgereicht? Nein, nicht wirklich herum gereicht; sie werden empfohlen von anderen mit einem Link dazu. Ist alles immer noch Hypertext wie vor zehn Jahren. Aber es gibt jetzt Mundpropaganda im Web. Das finden Marketeers spannend. Das mit der Datenübertragung per Freundschaftsnetz. Darüber hat ein Amerikaner namens Emanuel Rosen vor neun Jahren sogar einen mittlerweile mehrteiligen Bestseller geschrieben. Hier und hier ist ein Interview auf diesem Blog mit ihm.

Social Media – ist das dieses Dings mit dem Bewerten?

Zurück zum Thema. Social Media ist, wenn einer Sachen schreibt ohne Rücksicht auf Verluste und andere das lesenwert finden und ihn oder sie mit ermutigenden Kommentaren oder beißender Kritik anspornen weiterzumachen. Psychologen erklären das mit intrinsischer Motivation. Was das ist? Wenn man etwas macht, das in sich selbst Lohn genug ist, weil man einfach im Machen die Umwelt vergisst. Flow heißt der neue Begriff, der den eigentlichen Gedanken nur sehr reduziert wiedergibt. Heute schreibt man also selbst. Ob so ultraspießig lange Artikel wie ich hier oder eben was Schnelles.

Lustige Zeitgenossen verachten sogar ein Werkzeug, das in Hinsicht auf die virale Verbreitung von Inhalten mit Links (Hypertext) allen anderen davon läuft: Twitter. Sie finden es geschmacklos und dumm, wenn Menschen, die sich kennen in Echtzeit ihre Webquellen austauschen, Tipps verteilen oder einfach nur das tun, was im Web immer fehlte, mal eben soziale Kontakte pflegen.

Ist jetzt echt ganz klar der Trend. Brauchen wir sofort!

Deswegen schreiben auch ganz tolle Berater zu ihrem allerallerneuesten Kommunikationstrend Social Newsroom, dass man Videos, Podcasts neben den üblichen Presseinformationen plus schicke kostenlose (hochaufgelöste?) Fotos einstellt. Und dann bringt die Kommentar oder Bewertungsfunktion den armen Webserver derart zum Rauchen, dass der PR-Chef einfach sofort Vorstandsprecher wird. Fast. Nur ein kleines unbeugsame Dorf scheint sich dem neuen Trend zu widersetzen. Die neu erstarkten Kunden. Die neu entdeckten Kunden. Die Melkkühe der sozialen Marktwirtschaft. Sie zahlen Steuern, damit davon Firmen saniert werden, die ihnen hohe Kontogebühren und überteuerte Produkte mit kurzer Halbwertszeit verkaufen müssen. Unter dem Diktat des Profits. Elende Diktatur des Prekariats. Wollen immer neue Produkte die armen Hunde.

Und damit die Kunden diese Dinge lieben, bewerten sie jetzt die Pressinfos und Produktnachrichten der Firmen? Oder sollen die Journalisten etwa die PIs kommentieren und bewerten. Das erscheint ähnlich profressionell wie der hübsche Satz unter manchen Pressemitteilungen: „Bei Abdruck wird um ein Belegexpemplar gebeten. Bitte senden an: First Class PR Bombast, Coole-Idee-Allee 9, 12345 Meeresgrund.

Lesen Sie auch demnächst wieder rein, wenn Sie wissen wollen, ob Dr. Bob den armen Patienten erfolgreich wiederbelebt…

Ey, PR-Experte, komm doch mal klar auf dein Leben, oder meinste awareness rulez?! Nee, ich mach jetzt ein Seminar über interpersonale Kommunikation bei McKinsey; das kostet nur 12.000 € für vier Tage und danach bin ich 32° Social News Acolyt & Nepp 2.0 Evangelist.


Mrz 20 2009

Real World: Shirky im Interview über die Zukunft der Medien

clay-shirkyWer ihn nicht auf der CeBIT erlebt hat oder seinen Artikel las, den ich vorgestern erwähnte, hier nun im Video des Handelsblatts im Gespräch mit Herrn Knüwer (Autor des Blogs Indiskretion Ehrensache):

Link: Clay Shirky über die Medienkriese


Mrz 18 2009

videoart@web: Sehenswert blublu


Mrz 18 2009

IBM will Sun kaufen

sunHeute erklärt die IBM, dass sie sich mit der Absicht trägt, das Traditionsunternehmen Stanford University Network, besser bekannt als SUN zu kaufen. IBM will 6,5 Milliarden zahlen, dass wäre das doppelte der aktuellen Marktkapitalisierung.

Hewlett-Packard hatte das Suchen der Kalifornier nach einem Käufer abschlägig beschieden. Auch mir erschließt sich der Sinn nicht, für die Kunden, die Patente und den enormen Overhead so viel zu zahlen.

Ich denke, dass sicher noch eine nicht unbedeutende Summe im hohen dreistelligen Millionenbereich als Mergerkosten dazukommen. Den Gegenwert kann ich nicht erkennen. Aber offenbar ist SUN als Konkurrent noch immer so groß, dass diese Marktbereinigung den Tiefblauen aus Armonk lukrativ erscheint

Hoffentlich machen sie sich damit nicht selbst zu einem geschwächten Marktteilnehmer. Auszuschließen ist das nicht.

Hier die Bloomberg-News von eben dazu. Der tip kommt von Thomas Knüwer (VHB) über Twitter.


Mrz 17 2009

Menschen und Buchstaben: Wenn Kinder Medienimperien zum Einsturz bringen

Bevor wir die Medien sezieren, sollten wir das Skalpell etwas schärfen.

Laut Roland Burkart sind Massenmedien jene Medien, die durch Vervielfältigen und Verbreiten qua Schrift, Bild oder Ton Informationen vermitteln und somit öffentlich an ein anonymes Publikum weitergeben. Wir kennen dies als Presse und Rundfunk.

Ein Massenmedium charakterisiert sich also durch sein Hinwenden an eine unbestimmte Masse, die nicht beschränkt ist durch aktive Auswahl der Empfänger oder Leser. Nach dieser Definition ist jede Website ein Massenmedium, die den Zutritt nicht durch Logins oder ander Beschränkungen begrenzt.

Was sind Massenmedien?

Immer dann, wenn die Rezipienten, also die Zuhörer, Leser oder Zuschauer gar nicht begrenzbar sind, handelt es sich um ein Massenmedium. Soweit zur extensionalen Bestimmung des Begriffs.

Eine intensionale Bestimmung ist ungleich schwerer. Viele verwechseln die Kanäle (Print, Funk, Internet) mit dem Medium selbst. Das ist genauso verwirrend, wie die Codizes einer Information (Bild, Ton, Schrift) mit dem Inhalt gleichzusetzen. In den aktuell inflationären Expertendiskussionen um die Medien erscheint selten eine semiotische Grundbildung oder gar ein sprachwissenschaftliches Gerüst vorzuherrschen. Noch seltener erscheint eine sozialwissenschaftliche Basis in Betracht gezogen zu werden.

Der absolute Bodensatz ist dann eine vulgäre Form der Begriffsintension unter dem Primat des Pragmatismus: soziale, politische und ökonomische Funktionen der Massenmedien. Dabei werden die allseits beliebten Zirkel, Treppen und üblichen systemischen Emergenzphänomen erkannt; das Ganze gipfelt dann in der Herstellung von Öffentlichkeit durch Massenmedien.

book1Geschichte der Publikationen

Beginnen wir also klassisch-historisch bei Gutenberg. Als die Mönche erkannten, dass seine Maschine ihr Primat als Besitzer und Wahrer der Schriften bedrohte, verteufelten sie das aufkeimende Druckerhandwerk mit allerlei Beschimpfungen. War doch für sie das Fertigen der Kopien von Manuskripten einerseits ein direkter Weg, seine Sünde loszuwerden und andererseits für die Klöster und Bruderschaften der Besitz und die Kontrolle über bestimmte Bücher – und in der Folge auch die Kontrolle über die Verbreitung der Gedanken, die sich darin befanden.

Verbreitung von Inhalten

Es gibt also drei Ebenen: 1. Die grundlegende Idee als Manuskript. 2. Die Kopie dieser Ideen als kalligraphisches Handwerk oder später als Buchdruckhandwerk und 3. Die Aufnahme der Ideen durch den Leser als Rezeption der Gedanken des ursprünglichen Autors.

Solange man die Kopien selbst durchführte, konnte man bestimmte Stellen eines Buches ändern, ohne das jemand etwas merkte, da das Original zumeist in den Klosterbibliotheken verwahrt blieb.

Massenmedien unterscheiden sich von Büchern nur hinsichtlich weniger Aspekte:

Es gibt viele Autoren, die einer Zeitung oder einem Sender zuarbeiten. Diese werden oft arbeitsteilig nach Wissensgebieten aufgeteilt wie bei der Erstellung eines Universallexikons.

Es gibt Mittelsmänner, die den Mittelsmännern zweiter Ordnung vorschreiben, welche Kategorien in welchem Schreibstil und mit welchem Fokus bearbeitet werden.(Herausgeber)

Es gibt Mittelsmänner zweiter Ordnung, die die Produkte der Autoren edieren und in Kategorien fassen sowie gefällige Zusammenfassung texten.(Redaktions- und Ressortleiter)

Es gibt Mittelsmänner dritter Ordnung, die nur Informationen sammeln, ordnen und an andere Mittelsmänner verteilen. (Agenturen)

Die Idee eines Autors wird oft solange überarbeitet, bis sie massenkompatibel erscheint.

latDie Produktion wird künstlich gesteigert durch Verschenken oder Fast-Verschenken von Einzelausgaben in hohen Stückzahlen, damit neben dem Einzelpreis noch Werbeeinnahmen erzielt werden, die auf der Idee der Reichweite basieren. Reichweite ist eine definierte Anzahl an Lesern einer bestimmten Leserschaft. Denn die anonyme Masse in den modernen Massenmedien ist keine Masse wie in der oben angeführten Definition. Es sind Teilöffentlichkeiten, soziale Gruppen, Sinusmillieus und ähnliche Hypothesen über Gruppenphänomene, die sich für bestimmte Teile einer Massenpublikation interessieren sollen.

Öffentliche Sender werden durch Zwangsabgaben finanziert. Überschüsse fließen in kommunale Projekte, die den Sendern neue Aufträge generieren. Private Sender dürfen zwischen den Werbepausen eine Art inhaltliches Programm simulieren.

Und das Internet? Was macht nun das Netz anders?

Das Netz ist Schreibmaschine, Druckmaschine, Kommisionierung, Logistik und Kiosk in einem.

Vor vielen Jahren, in den Achtzigern begannen in Amerika die ersten Zeitungen damit, ihre Printausgaben 1:1 ins Netz zu stellen. Die teure und langsame Datenübertragung und die eingeschränkten Navigationsmöglichkeiten beschränkten die Rezeption. Aber es gab eine neue Art der Produktion. Statt viel Papier und Druckmaschinen konnte nun direkt ohne die Verzögerung des Druckvorgangs und ohne die Kosten des Drucks, mit geringeren logistischen Kosten aufseiten der Verleger und mit Ausschalten des Einzehandels (Mittelmänner!) die Idee des Autors und alle Bearbeitunsgschritte der internen Verlagsmittelsmänner elektronisch und netzbasiert ablaufen. Der Medienbruch zwischen Erstellen, Verbreiten und Lesen wurde aufgehoben. Als dann das Web mit den Browsern wie Mosaic oder Netscape das Darstellen der Texte um Bilder und später Ton und Videos erweiterte, hatte sich eine weitere Revolution unmerklich in die Realität umgesetzt.

Social Media

Mit Zunahme der Fähigkeiten der computeraffinen Menschen und dem anschließenden Vereinfachen durch Anwendungen wie Websitebaukästen und Weblogs stieg die Anzahl an Autoren im Web exponentiell. Hatten früher noch Agenturen, Sender oder Verlage als einzige direkten Zugang zu aktuellen oder relevanten Inhalten, verbreiterte sich die Basis an zugänglichen Informationen rasend schnell. Auch Dank des Web-Bibliothekars Google. Jeder konnte und kann heutzutage fast alles Lesen und veröffentlichen. Die Voraussetzung sind demokratische Verhältnisse, gute Sprachkenntnisse (auch Fremdsprachen!) und ein Geschick im Umgang mit der Flut an guten und schlechten Inhalten.

Twitter und Co.

Neben dieser Persistenzschicht (bleibende Daten) an Inhalten auf privaten und kommerziellen Websites und Blogs entwickelte sich bald eine zweite Schicht an Bedeutung. Kommentare ermöglichten nach Vorbild des Leserbriefs direkten Kontakt der Leser mit Autor und anderen Lesern. Diese Entwicklung wurde durch viele kommerzielle Sender und Verlage zuerst verschlafen und dann überbewertet. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als sich diese Ebene in eine Art ad-hoc-Publikation über andere Webinhalte entwickelte. Twitter ist so eine Plattform, die relative und sehr persönliche Metadaten zu bestehenden Webinhalten liefert und so präziser als jede Suchmaschine über die Rezeption von Bekannten, Gleichgesinnten und Freunden die Inhalte sortiert und ordnet.

Bedeutung ist nicht Relevanz

Der Erfinder des Web als digitaler Bibliothek, Tim Berners-Lee, hatte zu Beginn des 3. Jahrtausends den Fehler der Mönche aus dem Mittelater wiederholt, als er ganz in bibliothekarischer Weise das alte Denken in die neue Zeit zu retten versuchte. Das semantische Web sollte alle Inhalte im Netz maschinenlesbar miteinander verbinden.

Auch die Mönche wollten unter sich bleiben und den Menschen die Entscheidung abnehmen (vorenthalten), was Inhalte mit Bedeutung seien und was nicht. Dabei bedachte Berners-Lee genausowenig wie die Mönche, dass nur Menschen in der Lage sind, für Menschen zu entscheiden, was von Bedeutung ist. Er hatte, wie viele andere gedacht, dass der Relevanzbegriff aus der Informationswissenschaft, der soviel wie Bedeutsamkeit eines Dings in Bezug auf andere (in diesem Fall Inhaltsdinge wie Webseiten oder Dokumente) meint, dasselbe sei wie Bedeutung.

Dies ist eine unzulässige Verkürzung, die den gesamten mißlichen Umgang mit dem Internet aus Sicht des Begriffs Massenmedium plastisch darstellbar macht und das Herumlavieren nicht weniger Texte und Vorträge begründet.

Information und Bedeutung

Informationsqualität besteht aus dem sogenannten Eigenwert einer Information (also der Angemessenheit des Inhalts an die zu beschreibenden Verhältnisse, dem inhaltlichen Umfang der Darstellungsfähigkeit eines Texts und nicht zuletzt der Glaubwürdigkeit), dann kommt der Kontext dazu also die Einbettung einer Infomation in andere oder die Fähigkeit andere Inhalte widerspruchsfrei zu integrieren. Daran schließt sich die Interpretationsfähigkeit und die Verständlichkeit an und aus technischer und politischer Sicht der Zugang.

Aus der Linguistik ergibt sich, dass Bedeutung an sich immer eine subjektive Institution ist. Dort kennt man den Begriff der sekundären Bedeutung. Also das runde Viereck oder Pegasus des Bernard Bolzano, die es ja nicht gibt (siehe oben, solche Begriffe erfüllen nicht das Gebot der Wirklichkeit und Widerspruchsfreiheit), die aber sehr wohl eine Bedeutung haben – je nach Vorwissen.

clay-shirkyEin ähnliches Mißverständis ergibt sich bei der aktuellen Diskussion um die Medien. Clay Shirky hat es unlängst schön in einem Text zusammengefasst. „Wenn 14-Jährige in der Freizeit mit einem Computer in der Lage sind, Geschäftsmodelle von Konzernen in ein Nichts aufzulösen, weil sie die Inhalte lieben und nicht weil sie etwas zerstören wollen, dann hat die Firma ein Problem.“ Und nicht der Jugendliche.

Da nur Menschen in der Lage sind, etwas Bedeutung zu verschaffen – und das geschieht durch Mit-teilen (TEILEN!) – wird jede Idee, Inhalte hinter Mauern zu verschliessen, nur dazu führen, dass die Inhalte überhaupt nicht rezipiert werden. Dann brauchen sie aber auch nicht produziert zu werden. Wer also seine Inhalte einschließt, entbindet sich selbst vom Marktgeschehen. Diese gilt für Massenmedien. Bei Spezialanbietern sieht die Sache anders aus. Aber sie bedienen ja auch nicht die Massen sondern fokussieren eine bestimmte Empfänger/Lesergruppe.

Anders als Shirky würde ich das Web nicht als eine Revolution á la Gutenbergs Druckmaschine bezeichnen. Denn wir hatten vor dem Web schon Vervielfältigung. Was sich aber geändert hat, ist die Tatsache, dass im Zeitalter von Social Media die Menschen im selben Medium in dem sie Informationen finden, sich auch (dialogisch) über deren Bedeutung austauschen, seit Twitter sogar in 1:n und n:n -Beziehungen und praktisch in Echtzeit. Früher waren Metadaten zu Inhalten eine Konzession an die Maschinen wie Google oder andere Suchtechnologien. Diese Art von statischen Metadaten brauchen nicht. Wir produzieren in unseren vermeintlich unwichtigen Kommentaren bessere weil aktuelle und an den historischen Kontext angepasste Metadaten.

Was ist eigentlich los?

Wikipedia ist bei fast allen denkbaren Begriffen, die man bei Google eingeben kann unter den ersten 5 Treffern. Den Rest sucht der Webnutzer sich über seine Freunde und Gleichgesinnte bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder sozialen Messagenetzen wie Twitter.

Relevanz ist gut für die Informationstheorie,Menschen brauchen Bedeutung.

Bedeutung ist entweder der Gebrauch von Worten durch Menschen, oder/und ist eine Art Referenz, auf die Bezug genommen wird. Die eigentliche Aufgabe einer Bedeutung, dass eine Hauptbedeutung (Denotation) mit allen Konnotationen (Nebenbedeutungen) jemals durch ein Medium, einen Text oder gar ein Computerprogramm zu leisten wäre, ist ein Reduktion der realen Komplexität, die zwar aus technischer Sicht wünschbar sein kann, aber vollständig surreal, wenn nicht sogar pathologisch erscheint.

In einem ähnlichen Feld muss man die Bestrebungen der Verlage sehen, angesichts von Millionen von Blogs und Webseiten, eine bedeutungsstiftende Institution sein zu wollen und sich diese mit Geld aufwerten zu lassen. Jede funktionierende Peergroup leistet diese Aufgabe präziser und wirklichkeitsnäher und liefert dazu noch eine transparente Interpretationsebene.

Genau diese Ebene wird in den Massenmedien durch die Mittelsmänner der ersten bis dritten Ordnung vollständig undurchsichtig und damit im Kern undemokratisch.

Denn genau hier setzen allzu oft politische und lobbyistische Hebel an. Das macht aus einem Massenmedium einen Schwanz, der mit dem Hund wedelt. Der Tod der Massenmedien wird ein einfacher Drogentod gewesen sein. Die Spritze mit der Aufschrift „Relevanz“ wird noch gut sichtbar im Arm stecken.