Feb 27 2009

Schönstes Video 2008: zZz is playing Grip


Feb 27 2009

Soft Skills 2.0 – Wenn zuhören nicht reicht…

Jetzt erreicht das Thema Social Software die Firmen. Wir haben schon lange Wikis, höre ich welche murren. Was schreibt der da?

Ein Wiki ist ein Werkzeug, um gemeinsam Themen kontinuierlich zu bearbeiten. Gute Wikis ermöglichen sogar das Darstellen des inhaltlichen Wachstums zu bestimmten Themen. Sowas kennen Sie nicht?

Hören Sie denn nicht zu? Hört Ihr Wiki nicht zu? Bei Ihnen in der Firma werden nur die Änderungen mitgeloggt. Wer wann an welcher Stelle etwas verändert hat. Und die alte Version wird abgelegt. Wird sie sicher abgelegt und ist nachher durchsuchbar? Kann man später genau sehen, wer an welcher Stelle gute oder schlechte Inhalte eingefügt hat, die dann verschwanden? Wurden Probleme eines Projekts einfach getilgt?

Ihr Wiki kann also gar nicht zuhören. Es ist nur ein wachsender Kollegblock und ein Protokoll über fast jeden (erwünschten) Eintrag…

hafenWirklich zuhören

Social Software sollte doch aber soziale Fähigkeiten abbilden oder zumindest ermöglichen. Kennen Sie eine soziale Fähigkeit, die für den Aufbau von Wissen und Verständnis besser geeignet ist als das Zuhören? Ich meine damit nicht das Hinhören und gleichzeitige Schweigen. Ich meine eine Atmosphäre, die es dem Gegenüber ermöglicht, ihre oder seine Sicht der Dinge darzulegen.

Was das soll? Menschen tendieren dazu anzunehmen, dass alles, was sie sagen dazu verwandt wird, sie einzuschätzen. Das ist nicht falsch, aber nur die halbe Seite der Medaille. Einige sind ganz verrückt auf Beachtung. Sie reden viel, um irgendwie Wertschätzung zu erlangen. Wer ihnen zuhört, gibt ihnen das Gefühl, wichtig zu sein. Andere sind vorsichtiger. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Meinung ihnen vorgehalten werden kann.

Manager haben das gelernt und einige neigen dazu, das Zuhören zu simulieren. Das kann darin gipfeln, dass sie eine vertrauensvolle Atmosphäre erschaffen können und Mitarbeiter sich sicher fühlen. Manchmal klappt das gut, auch wenn es gar nicht wirklich echt ist. Viele merken von sich selber gar nicht, dass es nicht authentisch ist. Das hat zur Folge, das sensiblere Gemüter diese Gesprächstpartner meiden. Die anderen merken auch bald, dass man immer dann willkommen ist, wenn man kein Problem „mitbringt“. Solche Aspekte werden leider in den leidigen Diskussionen um Unternehmenskultur ausgeklammert. Sie erscheinen zu marginal. Und gerade die extreme Fokussierung vieler Personaler auf Formalitäten, die einerseits abprüfbar und anderseits leicht dokumentierbar sind, verschärfen solche Entwicklungen noch.

Es kann noch schlimmer kommen, wenn das Gegenüber die Probleme öffentlich darstellt, um einen Kollegen oder Mitarbeiter zu diskreditieren als jemanden, der mit seinen Problemen „wohl nicht selbst zurecht“ kommt oder gerne mal Probleme hat.

Oder wenn der Vorgesetzte nach einiger Zeit zum Mitarbeiter kommt, ihm jovial auf die Schulter klopft und feststellt, dass mit der Zeit sich irgendwie alles von selbst zurecht rückt. Das ist besonders dann schlimm, wenn beide wissen, das eine sehr lange Zeit verstrichen war, bevor man den Mut fasste, zum Kollegen oder Vorgesetzten zu gehen.

Auch das schweigende Zuhören mit verschränkten Armen und der Hinweis, man würde sich der Sache annehmen, bis man dann im Newsletter oder in einer großen Diskussionrunde wieder davon hört, natürlich anonymisiert, aber alle Beteiligten wissen, wer da was „geplappert“ hat – auch das steigert nicht das Vertrauen in Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeiter.

Und wer jetzt glaubt, diese Vorgehensweisen würden in kleinen Firmen weniger oder mit neuen Chefs besser werde, der irrt. Gewohnheiten und Umgangsweisen in Organisationen sind weitaus stabiler als es den Anschein hat und befinden sich in einer anderen Kategorie als die Menschen. Früher hätte man das noch mit Systemtheorie erklärt und Elemente und Strukturen herbeizitiert, die solche immanenten Phänomene erklären sollten. Man hätte verwiesen auf etwas Immaterielles, das im sozialen Körper stecke.

Eine andere Schule hätte erklärt, dass Sprache Knoten in Relationsnetzen bilden würde. Da wäre dann die Kommunikation innerhalb von Abteilungen oder ganzen Konzernen auf Herz und Nieren geprüft worden.

Es ist dabei deutlich, dass in all diesen Tätigkeiten einfach nur eine weitere Abstraktionsebene eingeführt wird, die die Terminologie enthält die die Herren und Damen Systemtheoretiker und Sozialkonstruktivisten und Wortspieler bestens beherrschen. Das macht ihnen das Bauen von Erklärungs- und Handlungsmodellen so einfach.

Das was vor ihnen liegt, wird vollständig in einer Infaltion von Bedeutung zweiter Ordnung aufgehoben und so nimmt das Delegieren von Mißständen an die Spezialisten seinen verhängnisvollen Lauf.

Zurück bleiben die Mitarbeiter, Vorgesetzten und Kollegen. Zurück bleiben auch viele ungesagte Wörter und Ideen, weil das Vertrauen zerstört ist, weil es nie bestand oder weil es opportun ist, keins zu haben.

Um es mit Rachel E. Happe zu sagen:“ In a world where things are speeding up, this is one area where we need to slow down or we won’t actually hear anything. It’s not about getting bigger ears, it’s about getting a bigger heart.“


Feb 26 2009

Change or Die – Was machen die anderen?

industryIn Deutschland erlangt das Thema Soziale Netzwerke im Web so langsam den Status eines beiläufigen Interesses. Man kann ja mal gucken. Kostet nix, schadet nix, hilft wohl auch nix. So ist der Deutsche halt gestrickt. Früher, als Mercedes und Porsche noch Qualitätsprodukte waren, da hatte der Deutsche gelernt, was viel kostet, muss einfach gut sein. Insofern ist das mangelnde Interesse an diesen Web 2.0 Geschichten nur dann etwas höher als Null, wenn es etwas kostet.

Soziale Netze – Sozialer Kommerz

Das kann man diskutieren oder hinnehmen. Ich entscheide mich mal für letzteres. Andere Länder, andere Sitten. In den USA geht es hoch her in Sachen Soziale Software. Warum das anders ist als hier bei uns? Nun zunächst ist man dort von Natur aus begeisterungsfähiger. Wenn dann allerdings kein klarer Nutzen oder zumindest Spaß folgt, lässt die Begeisterung in atemberaubender Geschwindigkeit nach. Dies hat zur Folge, dass die Invention (die Erfindung neuer Leistungen und Produkte) unmittelbar abgeklopft wir auf ihren Innovationscharakter. Und zwar durch die Nutzer selbst. Ein Paradebeispiel ist der AppStore von Apple. Da wir hier Social Commerce eigentlich nicht kennen – kurz ein Beispiel.

Ein Softwareentwickler kauft sich ein iPhone. Da die technische Plattform leicht zugänglich ist ( er muss nur einen Kurs für 99$ als Developer belegen) bastelt er sich eine Oberfläche für die Bundesliga. Sie kennen diese Pläne, die in einigen Büros herum hängen und wo nach jedem Wochenende die Fähnchen der Mannschaften umgehängt werden. Natürlich kann man mit der Software viel mehr anstellen. Deshalb hat ja der Softwareentwickler auch seinen eigentlichen Job gekündigt. Weil er mit dem Verkauf seiner kleinen iPhone-Apps viel mehr verdient als vorher. Und Apple? Die testen die angebotenen Softwarepakete und geben dann zum Verkauf auf der Plattform frei und nehmen sich 30% vom Kaufpreis! Über 1 Millionen Kunden weltweit sind schon eine gute Basis für ein Ein-Mann-Unternehmen ohne jede Ausgabe für Marketing, Sales, Lagerhaltung, Administration…

Warum ich das hierschreibe? Der Titel heißt Change or Die. Wer den AppStore nicht versteht, der kann dies hier verstehen: 200 Millionen Applikationen wurden aus dem App Store in 102 Tagen heruntergeladen, 5.500 Apps werden dort inzwischen angeboten. Die Entwickler haben bisher 21 Millionen Euro damit verdient, ein satter Umsatz von 9 Millionen für Apple für nahezu Null Unkosten. Denken wir mal an 8,5 Millionen Gewinn vor Steuern durch die Öffnung der Plattform des iPhone für externe Entwickler. Change or Die.

twitter-wolkeTwitter fokussiert Themen – ein Filter und ein Supporttool

Aber es gibt noch Möglichkeiten für die klassischen Unternehmen, die vehement meinen, sie müssten an ihren Prozessen rumoptimieren, um dagegen anstinken zu können. Nehmen wir doch einfach die klassischen Sozialen Netzwerke wie LinkedIN mit seinen 34 Millionen Nutzern. Meinen Sie, es wäre schlau, dort tätig zu sein. Oder nutzen Firmen dieses SMS im Web namens Twitter, um mit den Kunden zu sprechen?

Aber klar. Twitter ist der günstigste und schnellste Kanal für eine Support-Hotline. Man kann dort über einen Kanal www.twitter.com/produktname alle Level durchschicken UND die Inhalte werden per Hashtag # wieder auffindbar für jeden Kunden, der ein Problem hat. Firmen wie Comcast (Kabelanbieter für TV und Internet) oder Ipswitch sind schon da.

„Es ist etwas mehr als eine persönliche Ansprache,“ erklärt Produktmanager Jason Williams bei Ipswitch gegenüber Networkworld.com. „Es ermöglicht mir die verbindung mit Bestandskunden wie auch mit anderen Leuten, die sich über Twitter über das Thema Network Management austauschen. Einige habe ich überzeugt, unsere Produkte auszuprobieren.“

Networkworld.com hat nämlich 583 IT-Manager befragt, wie sie es mit den Sozialen Netzwerken für Ihre Firma halten, und welche sie nutzen:

LinkedIn:  63%

Facebook 44%

Twitter  14%

Und offene Soziale Netzwerke sind gut für Firmen?

LinkedIn ist also nicht so ganz unwichtig. Und was macht man da am besten? Gründen sie eine Gruppe zu einem Thema und liefern sie gute Inhalte. Dort werden sich Leute einfinden, die das Thema adressieren, die gerade ein Problem in diesem Bereich haben oder direkten Bedarf. Kommunizieren sie von Mensch zu Mensch. Natürlich ist es legitim, seine eigenen Produkte darzustellen. Aber wer es dabei beläßt, und sonst nichts zu den Diskussionen beiträgt oder keine Stellung bezieht, wird dadurch nich glaubwürdiger. Bleiben sie Mensch, aber beachten sie üblichen Regeln des öffentlichen Lebens. Hart in der Sache, aber weich zu Personen.

Ich habe bei dem Sozialen Netzwerk LinekdIn vor ein paar Wochen eine deutschsprachige Gruppe zum Thema Enterprise 2.0 gegründet. Das Ziel für mich ist es, all die Leute an einem Ort zu bündeln, die schon etwas weiter sind. Die also dieses ganze Gerede über neue Technologien in Firmen schon lange in Projekten verfolgen und eigentlich auch schon praktizieren bzw. integrieren, jetzt aber aufgrund fehlender Lektüre und mangelndem Austausch nicht selten stecken bleiben in diesem Morast von MeeToo-Produkten und -Firmen, die glauben, das Rad mit dem Xten Wiki oder dem Yten Corporate Blog-Tool neu erfunden zu haben. Noch gibt es wenig Diskussionen, da eine gewisse Hemmeschwelle besteht. Viele Nutzer sind mit den Privacy-Einstellungen nicht so vertraut, oder haben Angst, dass sie sich um Kopf und Kragen reden. Aber einige gute Ansätze sind da und es wird besser und offener. Wir müssen das lernen. Denn ohne den Austausch sind wir auf Gedeih und Verderb auf die nicht immer praxisorientierten oder ausreichend theoretisch begründeten Meinungen selbst ernannter Experten angewiesen, die zwar viel Bücher verfassen und in der Öffentlichkeit auftreten, aber wenig Substanz mitbringen.

Sozialer Austausch macht klüger

Gegen diese Scheinöffentlichkeit, die es in vielen technologischen Bereichen gibt, hilft nur der direkte Austausch. Er ersetzt die Lektüre von Fachmagazinen und Büchern genau dann, wenn eine kritische Masse in einen kritischen Dialog eintritt. Nur so entsteht aus all dem Wissen Bedeutung. Und das ist das Einzige, was uns hilft, angesichts der riesigen Mengen an Wissen, an sehr segensreichen Inhalten – den Überblick zu gewinnen. Das klappt zwar immer nur zur Laufzeit, also in einem aktuellen Kontext, aber mehr werden wir in den nächsten Jahrhunderten sowieso nicht erreichen. Der Renaissance-Mensch, der gleichzeitig Gourmet, Künstler, Koch, Mäzen, Musiker, Konsument und Erfinder war, steckt noch in uns. Wer weiterhin meint, er müsse sein Wissen künstlich mit der Schonkost bestimmter einzelner Wissensgebiete in eine mentale Magersucht treiben, wird im dritten Jahrtausend einfach, leise und unaufällig aussterben. Change or Die.

Und was sind die Folgen? Der Erfolg der letzten Dekade in Bezug auf Bücher über Selbstmanagement und die Organisation der Firma namens Ego , ich rede bewusst nicht von der Ich AG, deutete eigentlich schon an, wo die Reise hingeht. Die Sozialen Netzwerke sind daher nur die manifeste Plattform für das Management dieser Minifirma in einer globalen Welt. Sozusagen eine professionelle Partnervermittlung für Projekte aller Art.

„Wer sich nicht in sozialen Netzwerken umtut, vergibt eine große Chance,“ erläutert Dan Schawbel, ein Social Media Spezialist beim Softwareriesen EMC und Autor des bald erscheinenden Buchs „Me 2.0“. „Leute suche andere Leute. Personaler zum Beispiel müssen freie Stellen besetzen. Wenn sie nicht direkt an die Bewerber heran kommen, verpassen diejenigen einen neuen Job.“

Bleiben Sie mobil, im Geist, im Job, im Leben und bald auch im Web. Change or Die.


Feb 25 2009

Nutzerbedingungen bei Facebook sind unwirksam

facebook-austrittSeit Anfang Februar schlagen die Wellen hoch, wenn es um die Nutzungsbedingungen bei Facebook geht. Und auch der Rückzieher von facebook-Gründer Zuckerberg hat keinen wirklich beruhigt.

Ich muss zugeben, dass ich damals, als ich auch einen Account dort eröffnete, davon ausging, dass die terms of use ähnlich seien wie bei anderen Sozialen Netzwerken.

Dem ist aber nicht so:

You hereby grant Facebook an irrevocable, perpetual, non-exclusive, transferable, fully paid, worldwide license (with the right to sublicense) to

(a) use, copy, publish, stream, store, retain, publicly perform or display, transmit, scan, reformat, modify, edit, frame, translate, excerpt, adapt, create derivative works and distribute (through multiple tiers), any User Content you
(i) Post on or in connection with the Facebook Service or the promotion thereof subject only to your privacy settings or
(ii) enable a user to Post, including by offering a Share Link on your website and
(b) to use your name, likeness and image for any purpose, including commercial or advertising, each of (a) and (b) on or in connection with the Facebook Service or the promotion thereof.

Liest sich nicht so nett. Denn derart weitrechende und pauschal formulierte Verwertungsrechte an geistigem Eigentum oder Bildwerken sind zumindest ungewöhnlich. Im Medienrecht muss der genaue Zweck und das Medium der Verwertung genannt sein.

Als dann wegen der Änderung der Bedingungen am 4. Februar klar wurde, wes Geistes Kind der Gründer von facebook offenbar ist, haben viele Blogger – allen voran consumerist.com auf die Mißstände aufmerksam gemacht. Denn ein lebenslanges Nutzungsrecht, auch wenn man nicht mehr Nutzer bei facebook ist, erscheint doch seltsam. Denn fehlende Möglichkeit des Widerrufs diese Nutzungsrechts trotz Kündigung des facebook-Kontos stellt eine Benachteiligung des Nutzers dar und dies führt zur Unwirksamkeit der ganzen Klausel.

Bloggende Experten vom Schlage Chris Brogan und Robert Scoble wollten das Alles abwiegeln und machten die verdutzten Leser darauf aufmerksam, dass das schon alles in Ordnung und doch mehr oder weniger üblich und sinnvoll sein.

Nun, in Deutschland sind nach meiner Einschätzung diese pauschalen und instransparenten Nutzungsbedingungen unwirksam. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass sie gegen Treu und Glauben verstoßen.

Der Text ist ein unzumutbarer Mix aus schlechtem Deutsch und englischer Rechtssprache. Um hierzulande wirksam zu sein, muss Facebook seine AGB in Deutsch verfassen und inhaltlich anpassen„, sagte der Rechtswissenschaftler Jürgen Taege dem Magazin Focus.

Auch die Vereinbarung des Rechts von Delaware, USA, eine Gerichtsstandsvereinbarung in den USA und der Ausschluss des Kollisionsrechts dürften juristisch nicht ganz unproblematisch sein.

Bleibt noch die Überlegung, was eigentlich unter das Urheberrecht fällt und damit die nötige geistige Schöpfungshöhe hat. Ohne weiter auf Fachdiskussionen über die kleine Münze einzugehen, muss eine individuelle Formulierung von Gedanken in Schrift oder Bild oder irgendwie anders gestaltet sein, die über das bloße Aufschreiben oder Malen hinausgeht.

Fotos gelten im Allgemeinen als Lichbilder – außer sie sind von einem professionellen Fotografen – sind also schon mal per se sehr nahe dran am Begriff des Werks und die (Amateur-)Fotographen genießen damit immer Leistungsschutzrechte – vergleichbar den Rechten eines Sängers an seiner Darbietung. Facebook muss also nach deutschem Recht, auch wenn die Fotos benutzen dürfen (lebenslang!) IMMER den Urheber nennen.

Bei Texten ist das Einordnen in den Begriff des Werks schwieriger, da man ja auf den Sozialen Netzwerken selten eine klar und individuell formulierte Idee in ästhetisch komponierter Weise darlegt, sondern eher ein paar Kommentare zu einem Erlebnis notiert oder einfach Dinge mitteilt wie „Bin für drei Tage in München und sehe dort Steffi und ihren neuen Mann. Werde Euch berichten.“ Anders ist das schon bei Präsentation, die per slideshare integriert sind Filme, die über youtube eingebunden sind, oder gar Gedichte oder Hausarbeiten, Referate etc. Die genießen alle Urheberrechte und wären laut facebook in alle Welt und lebenslang hinsichtlich der Verbreitung und Speicherung und Bearbeitung zu von facebook bestimmten Zwecken nutzbar.

Alles andere, also die berühmten Statusmeldungen und Vergleichbares sind als Inhalte gemeinfrei. Das heißt, dass facebook solche Inhalte, die gar keinen Werkcharakter haben, sowieso niemals verkaufen können, da sie frei verwendbar sind.


Feb 24 2009

Deichkind: Sebastian Hackert mit 32 Jahren gestorben

Foto: Nikolaus Brade

Foto: Nikolaus Brade

Der große Produzent und Klangmeister der kongenialen Hamburger Truppe Deichkind ist verstorben und hinterläßt Frau und Kind. Mein Beileid. Ein großes Talent hat uns verlassen… Möge er in einer schöneren Welt weiterhin Musik machen. Deichkind veröffentlichten 2008 ihr viertes Album „Arbeit Nervt“. Kauft jetzt alle alten Platten wie die Irren, damit die Familie mit den Tantiemen weiterhin gut durch die Welt kommt.


Feb 24 2009

Pulitzer-Preisträger erklärt: The world is flat – Change or Die

Die beste Erklärung der neuen Ära, die bisher aufgezeichnet wurde. Wie entstand diese vernetzte und globalisierte Revolution der Welt, die Massenmedien und exklusive Beratungsunternehmen nicht mehr verstehen. Thomas Friedmann, jahrelang Starkolummnist der NY Times, erklärt:


Feb 24 2009

SpiegelOnline stolpert durch die Mediendebatte #qualitätsjournalismus

Ich kann es nicht mehr hören, lesen oder riechen. Die Einen schreiben den finalen Rettungsschuß für die Zeitungen oder gleich das Böse schlechthin in Form aller Massenmedien und die anderen, tja, also die schreiben eigentlich noch weitaus dünneren Kaffee. Ein gutes Beispiel ist Konrad Lischkas Text auf Spiegel Online. Ich lese seine Beiträge auf telepolis machmal sehr gerne. Umso verdutzter war ich als ich eine Art Beitrag der kleinen PR-Agentur am Rand der Stadt las, wie Thomas Knüwer es wohl nennen würde. Kunde ist wohl die Massenmedien KGaA…

Da wurde dem Damokles sein Schwert aus ihm seiner Scheide rausgezogen und man fuchtelte wild vor den plattgedrückten Nasen der Endzeitstimmungsblogger.

zukunftSein Vademcum des guten Mediums startet klassisch: Stärke die Position Deiner Gegner. Naja, zumindest erklärt er uns, dass es gerade trés chic ist auf Zeitungen und Massenmedien einzudreschen. Muss wohl ein Reflex aus den dunklen Zeiten der gleichgeschalteten Medien sein. Wenn man allerdings die weitgehend parallel geschalteten Medien der letzten Jahre betrachtet, die nicht selten als Distributionskanal für die dpa-news daherkamen, könnte man fast Verständnis mit der Häme haben. Hat Herr Lischka nicht. Dieses dunkle Kapitel der Diskussion um Qualitätsjournalismus bleibt unberührt. Ein Schelm, wer da an den Auftraggeber denkt. Und ein Schelm, der nicht seine Brötchen als Freier Journalist verdient wie Herr Lischka. Denn das, bei allem Respekt, kann man nicht seinem Mut ankreiden, sondern muss in eine ethische Betrachtung derselben Medien einfließen, die er später noch verteidigen wird. Wes Brot ich ess, dieses traurige Kapital hat ja auch die Redaktion von Zapp und einige andere schon erleben dürfen, wie es einem so geht, der mit journalistischer Tiefgründigkeit das eigene Nest nach Flecken absucht und auch noch fündig wird. Herr Lischka wird nicht fündig, soviel sei schon mal verraten.

Und so reibt sich der Leser des Lischka-Texts verwundert die Augen über das folgende Kapital namens „Nur Massenpresse schafft Öfffentlichkeitsdruck“. Ich erspare dem geneigten Leser meine persönliche Meinung zu diesem Präludium der Medienverklärung. Zu den Vor- und Nachteilen der Konditionierungstendenz der Meinungsbildung durch monopolisierte Mediengiganten schreibe ich auch nichts. Zu all den Opfern eben der Lokalzeitungen schreibe ich auch nichts. Ich beziehe auch keine Stellung zu all den gut gemeinten, aber schlecht gemachten Parteinahmen der Journalisten in der Hydraulik der großen und kleinen Politik. Ich halte es da eher mit Hanns-Joachim Friedrichs und überlasse es dem geneigten Leser, die gute Fee des Lokaljournalismus auf ihn oder sie wirken zu lasssen. Zum Glück hat da jeder so seine Erfahrungen gemacht.

Mich treibt ja ein anderes Kapitel um, dass die ganze Bandbreite des intellektuellen Vorgehens des zweiten Jahrtausends kennzeichnet. Es geht um das Thema Facebook und seine lächerlichen Nutzerbedingungen, die hier in ihrer amerikanischen Formulierung weitgehend unwirksam und peinlich sind für ein Unternehmen, dass 500 Millionen Dollar Venture Capital an ein etwas einfältiges Kind verschenkt hat, das noch nicht mal einen fähigen Anwalt von einer Lampe unterscheiden könnte…

Konrad Lischka erkennt in der Skandalisierung der Änderungen der Terms of Use durch www .theconsumerist.com, dass nur das Abgreifen dieses Blogeintrags von Digg (einer Newsplattform ähnlich wie Google News, nur 1367 Mal besser weil von Nutzern zusammengestellt und nicht von Algorithmen) durch das Wall Street Journal so eine große Sache draus wurde.

Tja, Herr Lischka. Ihnen ist das Verständnis für so eine manuelle Newssuche durch echte Menschen nicht nachzuweisen. Es ist auch nicht einsichtig, wieso er soviele tweets auf twitter zu diesem Thema finden sollte bevor das WSJ auch nur einen Krümel Buchstaben zum Thema veröffentlichte. Das wäre ja Recherche gewesen. Und das darf in Deutschland nur ein amtliches Mitglied des Netzwerks Recherche. Herr Lischka ist keine Massenmedium, deshalb konnte er die Relvanz seiner Quellen nicht einschätzen. Es ist ihm auch nicht klar, was das soll, wenn Menschen gemeinsam in den Abertausenden Informationen im Web rühren und in Interessengruppen und -clustern genau die Infos austauschen, die sie als relevant erachten über Blogs, Twitter, identi.ca, mysapce und facebook selbst…

Die Hoheit über ein amtlich verteiltes Inhaltsatom gebührt allein dem Massenmedium. (siehe §987 Relevanzverfassungsgesetz RVerfG) Daher ist das nur massenmedial bestätigte Inhaltsatom in seiner Jemeinigkeit vollständig ontologisch begründet. Ein Zweifel oder gar eine Kritik an dem Absolutheitsanspruch kann nicht außerhalb eines Massenmediums formuliert werden, weil es dann ja von niemanden außer ein paar versprengten Webaktivisten gelesen würde. Da dies außerhalb des amtlich verbrieften demokratischen Auftrags der Massenmedien stattfände, wäre es also quasi ein Qualia der Webbewohner. Da solche subjektiven Wahrnehmungsqualitäten aber nicht in  Schrift und Sprache codifizierbar sind, wäre damit der Nachweis für die Sinnhaftigkeit und lebensbegründende Existenz von der einzigen Relevanz schaffenden Instanz namens Massenmedium ex negativo begründet. Ein Glück, dass er noch nie etwas von Search Advertising gehört hat. Wahrscheinlich ist er einer der drei Internetnutzer, die noch heute auf Bannerwerbung klicken…

Herr Lischka schreibt über Social Media wie ich über Shagya-Araber schreiben würde. Sehr seltsam. Er versteht sich als IT-Journalist. Ist wohl sogar ein Kollege, der auch für heise schreibt. Hm.

Sollte ich ihm erklären, wie in vernetzten Teilöffentlichkeiten Relevanz entsteht. Sollte ich ihm erklären, was der Unterschied zwischen Bedeutung und Relevanz ist? Nein, das wäre arrogant. Außerdem verdiene ich viel Geld mit diesem Wissen. Warum also so etwas hier inflationieren. Lauschen wir lieber dem Meister selbst:

Fazit: Der Grundkonsens, was relevant ist, entsteht heute im Web im Prinzip nach dem alten Massenpresse-Prinzip. Es gibt keinen Mechanismus, der die Relevanz frei verfügbarer Informationen erkennt – das übernehmen Menschen. Und sie finden Gehör, wenn sie sich in einem Medium vor einem leidlich großen, unbestimmten Publikum äußern. Ohne Massenpresse hätte so schnell niemand die Brisanz der Facebook-AGB erkannt oder von der umstrittenen Entfernung einer israelischen Fahne bei einer Demonstration in Duisburg erfahren, über die zuerst das von Journalisten betriebene Blog Ruhrbarone schrieb.

Soso, das alte Massenpresse-Prinzip des seeligen Heraklit wird hier wohl gemeint sein pantha rhei oder welches meint er wohl? Etwas das mit dem alleinigen Recht, öffentlichen Druck auszuüben per Lokalteil? Oder? Also nochmal: Im chaotischen rosa Rauschen des Web entsteht sozusagen top-down die Relevanz durch Massenmedien und die Inhalte kommen aus dem Web von niederen Lebewesen wie Blogs à la theconsumerist.com oder noch niederen Web 2.0-Aggregatoren wie digg…Und emporgehoben werden diese Amöben durch König Midas Berührung, Verzeihung durch König Mediens Berührung zu einem Leben als komplexe Kreatur unter uns wahren Intellektuellen.

Fazit Wittkewitz: Ohne Blog hätte die WSJ einen Scheiss von den Änderungen der AGB erfahren, ohne die Nutzer von digg, hätte das WSJ einen Scheiss erfahren, was die digg-Nutzer nach ganz oben gewählt haben (Er versteht wirklich nicht wie die Relevanz entstanden ist)). Und ohne WSJ hätte es einfach eine andere Zeitung vernutzt, die auch das teure dpa-Abo gegen das billige digg oder rivva eingetauscht hat.


Feb 23 2009

Twitter 2.0: Mobil Blogging mit Zcapes (auch für QR-Freaks)

Wer Twitter gerne nutzt und auch dem Bloggen nicht abgeneigt ist, der könnte www.zcapes.com lieben. In Deutschland ist es ja noch nicht angekommen, dass die Netbooks des Jahres 2010 alle Handys sind und mobiles Internet ähnliche Entwicklungen vor sich hat wie die E-Mail vor 10 Jahren. Wer aber schon versteht, worum es geht und Spaß am Überallweb hat, dem ist hier geholfen.

Anders als bei Brightkites placestreams geht es hier nicht so sehr um das virtuelle Kuscheln mit Freunden um die Ecke, sondern eher um Microblogging auf dem eigenen mobilen Blog. Ob es dabei um eine Person oder ein Thema oder eben ein Event oder Produkt geht, ist zweitrangig. Es ist schön einfach, super mobil bedienbar und bringt alles Nötige mit für ein kleines Blog. Man meldet sich an unter einer subdomain bei zcapes.com und los geht es…

Natürlich kann man dort alle Feeds aggregieren wie Twitter, flickr und jedweden RSS-Feed, Umfragen, Maps und und und…Eben ein Blog. Aus meiner Sicht ist dies die einzige und wahre Killerapplikation für die vielen Versuche, twitter mit etwas mehr Inhalten anzureichern. Meine Website des Monats Februar. This is way better than other BloggingMeToos out there…

Ach ja und für die irren QR-Freaks ist auch gesorgt, via -E-Mail, Twitter und QR kann man alle Inhalte mit anderen teilen.

Was soll das? Hier ist deren Diagramm, wo sie sich selber sehen:

zcapes


Feb 23 2009

Jeff Jarvis: What Would Google do? Die Thesen (deutsch)

jarvisDer Web 2.0 Guru Clay Shirky hat es so ausgedrückt, Jeff Jarvis schrieb einen unentbehrliches Handbuch über die Logik der neuen Geschäftsmodelle in der neuen Netzwerk-Ära. Er wittert große Chancen in der Übergabe der Kontrolle zurück an die Menschen und sieht notwendige Risiken darin, dass die Wettbewerber zuerst da sein könnten.

Wer das Buch kaufen will, kann es hier bestellen.


Feb 22 2009

McKinsey gibt Tips zu Web 2.0

Im ersten Teil der McKinsey Betrachtungen zum neuen Weltbild nach der zweiten kopernikanischen Wende namens Web 2.0 begnügte man sich noch mit einer Produktivitätsbetrachtung vor und nach dem Jahr Null partizipativer Arbeitsorganisation (im Volksmund Netzwerk) mithilfe von webbasierter Software. Nun demonstriert McKinsey der im Sterben liegenden BearingPoint – eine ungeliebte und ausgestoßene IT-Beratungstochter der KPMG (Kinder Prüfen Meine Gesellschaft) – was eine IT-Harke ist und mausert sich ein kleines bißchen zum Technologieberater.

lepton1Status ex post

Sie betrachten Web 2.0 als eine Sammlung von Technologien wie Blogs, Wikis, Podcasts, Verschlagwortung (Tagging), Marktforschung (!) und soziale Netzwerke(!!). Ja, lieber Leser, McKinsey betrachtet soziale Netzwerke als Technologie. Das ist so wenig reflektiert, dass ich darauf jetzt gar nicht weiter eingehe, da es das Niveau meiner Leser um einige Myriaden unterschreitet. Lesen wir lieber weiter: Denn was die Damen und Herren Experten festgestellt haben, ist folgender Sachverhalt: Alle untersuchten Unternehmen haben mindestens eines der vorgenannten Werkzeuge eingesetzt und alle haben übereinstimmend festgestellt, dass ein grundegendes Charakteristikum aller Projekte war, dass diese Tools nur dann effektiv sind, wenn Partizipation realisiert wird. Dieser sehr spannende Satz, der in seiner Folge auf die Komplexität in Netzwerken, auf Informationsverarbeitung in Netzwerken, auf kulturelle Unterschiede in Netzwerken, auf das Entstehen von Bedeutung in sozialen Netzwerken eingehen könnte, erlebt leider keine weitere mentale Behandlung. Und was dann kommt, sollten wir wieder gemeinsam genießen:

Unlike ERP and CRM, where most users either simply process information in the form of reports or use the technology to execute transactions (such as issuing payments or entering customer orders), Web 2.0 technologies are interactive and require users to generate new information and content or to edit the work of other participants.

Das ist für die Experten von McKinsey offenbar eine derart tiefgreifende und völlig einzigartige Einsicht. Denn das Mitarbeiter in ERP oder CRM keine eigenen Inhalte generiert haben, liegt ja auf der Hand. Wer sonst als das System selbst hat die abertausenden Kontaktdaten, Wareneingangslisten und Lagerbestände eingepflegt und geprüft. Soso. Diese Hypothese erscheint mir nicht leicht historisch nachweisbar. Die Nutzer haben also früher lediglich Berichte verfasst.

Ja, liebe Kinder, so war das von 1980 bis zum Jahr 2009: Die Menschen haben den Maschinen dabei zu geschaut, wie sie Daten gebaren und den Nutzern zum finalen Abschließen einer Transaktion alle sechs Daten ganz automatisch zulieferten. Und dann als McKinsey entdeckte, dass die Mitarbeiter auch selber ganze Sätze und Zahlenreihen verfassen konnten, da stellten sie schnell in jedes Büro ein Blog und ein Wiki und schon arbeiteten alle ganz dolle miteinander daran, viele selbsterstellte Inhalte zu kreieren. Das war die Web 2.0 Revolution im Jahr 2009.

Status ex ante

Nun aber sind wir ja gerade am Anfang von 2009 und alles ist anders. Denn jetzt haben wir Technologien, die alles viel mehr partizipativer machen. Und laut McKinsey kommt damit mehr Effizienz ins Haus. Dass deren Kunden bis heute noch nicht aufgegangen ist, dass die McKinseys dieser Welt immer wieder Kinderfantasien aktueller gesellschaftlicher Trends und wissenschaftlicher Diskussionen in eine derart komplexitätsreduzierende Form pressen, dass praktisch kein semantischer oder pragmatischer Gehalt mehr übrig bleibt außer dem Mantra“Effizienz, Mehr Effzienz, ungeheuerlich total viel gute Effizienz“ (so etwa wie die gute Butter); das bleibt mir ein Rätsel. Aber vielleicht ergänzen sich da Menschen, die gut auswendig lernen können, untereinander. Wie soll man denen auch den Unterschied zwischen Wissen und Verständnis nahe bringen? Wer verstehen will, kann nicht in wenigen Schuljahren Gehorsam, soziale Angepasstheit und Wissensdurst in ein derart angemessenes Maß bringen, dass ein Spitzenabitur herauskommt. Einige können das, aber die landen nicht bei McKinsey oder in einem Ministerium.

mcdisney2

Warum Wikis, Kommentarfunktionen und virtuelle Team-Arbeitsumgebungen zusammen gehören, erschließt sich nicht direkt. Ein wirklich guter Hinweis ist der auf Co-Creation, also das gemeinsame Erstellen von Inhalten. Kein Wort über Grenzen und Chancen von E-mail und Groupware oder gar Enterprise Contente Management oder Dokumentenmanagement und Versionierung. Anscheinend kennt man das nicht bei McKinsey. Dort  gab es immer nur ERP/SCM und danach kam Web 2.0. Bis zu den Sachbearbeitern einer Bank oder Versicherung hatte man sich in den letzten beiden Jahrzehnten noch nicht vorgearbeitet. Wahrscheinlich kam ein Doppeldoktor mit acht MBA-Titeln ins Haus, stellte fest, dass 30% der Sachbearbeiter gehen könnten, wenn man ein ERP einführen würde und und kassierte dafür 875.000 EUR und verschwand mit der Expertise der 30% der Sachbearbeiter im Nirwana. Liebe Leser soweit wahr man dann schon, dass man erkannte, dass SCM bei diesem unproduktiven Banking&Insurance Sector nix bringen würde. Die haben ja noch nicht einmal Lagerhäuser! Wo soll man denn da bitteschön just in time anliefern?

Blogs als Kommunikationsplattform in Unternehmen

Blogs in geschriebener, gefilmter oder gesprochener Form sind also eine Form der Online-Kommunikation. Verzeihung der Broad Communication. Man schreibt sowas ja auch für die Berater der Bundeskanzlerin. Ohne Broadband könnten wir ja heutzutage gar nicht mehr die Massen an Wissen überhaupt verarbeiten. Wer will sie schon deuten oder in einen Kontext bringen? Senden wollen wir sie in alle Welt mit i18n multilingual und für alle. Wir müssen nicht mit einem Überfluß an Information ohne Kontext umgehen oder alte, uralte Daten für den Zugriff erhalten. Oder einfach eine leicht zugängliche Oberflächen für viele indivdiuelle Probleme des Büroalltags finden. Nein. Wir müssen breit kollaborieren und kommunizieren! Bitte verstehen sie das jetzt nicht wieder falsch. Bleiben Sie doch mal ernst. Ich versuche das ja auch schon seit einer halben Stunde. Diese Vorschüler beraten unsere Volksvertreter und die obersten Vorgesetzten Ihres Abteilungsleiters!

Umfragen und Marktforschung gehören jetzt auch noch zu Web 2.0. Hören Sie doch mal auf zu lachen. Ich kann mich gar nicht konzentrieren. Ich fange schon an, die Wechsstaben zu verbuchteln. Gehen Sie bitte solange raus, wenn Sie jetzt einen Lachflash haben. Also diese benutzergenerierten Inhalte machen die kollektive Macht der Gemeinschaft nutzbar und ermöglichen eine von der Öffentlichkeit abgeleitete Meinung, so zumindest sagt es uns die Grafik. Dass Soziale Netzwerke (als Ursache der ganzen Web 2.0 Diskussion) einfach so in einer Kategorie namens Soziale Aufzeichnung landen und dann bei Verbindungen zwischen Menschen wirksam zum Durchbruch neuer Anwendungen verhelfen, verstehe ich ehrlich gesagt eher als einen Hinweis auf einen regressus ad infintum, bestenfalls. Möglicherweise fehlen mir auch die Gene, solche Schlußfolgerungen anchzuvollziehen. Bei genauer Betrachtung ist es einfach nur Unsinn.

Denn nur das, was sinnvoll ist, wird von der Masse mittelfristig genutzt und bezahlt. Dann weist McKinsey ohne jede Harm darauf hin, dass die neuen Technologien eigentlich gar nicht so schwer zu installieren seien, es nur auf das Realigment, also das Neuausrichten der Schachfiguren in einer Firma ankäme. Allerdings könne es schon eine Herausforderung bedeuten, sie einzuführen. Aber im Grunde handele es sich eh nur um leichtgewichtige Aufbauten, die auf sowieso vorhandene Strukturen nur eben aufgesetzt werden und dann praktisch von allein laufen. Wenn… ja, wenn eben nicht diese Unruhe stiftende Geschichte mit der partizipativen Unternehmenskuktur wäre. Aber dieses brennende Thema nach Führung in virtuellen und realen Netzwerken fällt einfach flach. Aber McKinsey ist ja nun offenbar Technologieberater geworden.

Technologie oder Unternehmenskultur?

industryDazu ist zweierlei zu sagen. Zum Einen ist McKinsey offenbar nicht in der Lage, einzuschätzen, ob das ganze nun eine einfache technologische Sache mit ein bißchen Organisationskram ist oder ob es eher viel Organisationskram mit einer Erweiterung der technologischen Struktur zu einer offenen IT-Umgebung ist. Wenn ich eine partizipative Teilhabe der Mitarbeiter untereinander befördern will, dann muss ich entweder deren Freiheiten erweitern, deren Vertrauen begründen und fördern oder einfach von oben eine ganz offene flache Hierarchie vorleben und das ganze sich entwickeln lassen. Aber Vertrauen, Offenheit und das Weitergeben von Wissen an unbekannte Mitarbeiter entstehen nicht durch Blogs, Wikis, breite oder schmale Kommunikation.

Und auch das Wackeln des Schwanzes mit dem Hund, also der Einsatz von Blogs, Wikis und Konsorten für jeden und alle hat zur Folge, dass Wissensinseln entstehen, Daten für immer in Wikis versenkt werden oder einfach bestimmte begehrte Inhalte einfach nicht transparent abgelegt werden. Und selbst wenn das der Fall wäre, Tagging hilft beim Wiederfinden überhaupt gar nichts, weil die Bedeutung der Schlagwörter sich mit dem Vorwissen der Suchenden und derjenigen, die die Schlagwörter vergeben, sehr stark ändert.

Jemand, der sich um urbane Entwicklung rund um das Rad und öffentliche Verkehrsmittel kümmert, wird Hinweise zum neuen Porsche Panamera ganz anders ablegen als jemand, der schon seit Jahren auf eben dieses Auto hinspart. Übertragen Sie dieses Beipspiel jetzt mal auf Projekte und Abteilungen. Und selbst bei einer Person ändern sich die Gewohnheiten, etwas zu verschlagworten, je nach aktuellen Arbeitszusammenhang teilweise sehr drastisch. Die alte Tugend der Disziplin können man bei solchen vermeintlichen schicken basisdemokratischen Themen wie Web 2.0 nicht durchsetzen. Obwohl es dringend an der Zeit wäre. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag das Arbeiten in Netzwerken, seien sie virtuell oder real.

Aber es erfordert doch bedeutend mehr als einfach nur ein bißchen Coachen an der Unternehmenskultur und ein paar Tools. Dafür berate ich schon zulange in den Bereichen Organisationsentwicklung und Wissenmanagement, als dass mir solche zusammengestückelten Listen von Trendbegriffen wie hier von McKinsey auch nur im Ansatz als Information vorkommen. Es liest sich wie eine halbgare Hausarbeit eines Erstsemsters zu Thema. Und selbst die machen sich mehr Mühe beim Quellenstudium und der Gegenrecherche. Ich würde ja gerne die Gegenseite stärker machen umd meine Position besser zu schärfen, aber außer Watte ist da nichts.

clapping-hands-smallShirky: Das Wissen der Mitarbeiter ist ein ungehobener Schatz

Immerhin kommt dann endlich Clay Shirky zu seinen Ehren und wird zitiert mit der Erkenntnis, dass das Wissen der meisten Mitarbeiter ein ungehobener Schatz der Firmen ist, den man mit den oben benannten Tools heben kann. Liebe Leute, wer sich nicht wertgeschätzt fühlt in einer Firma, wird seine Ideen und seine Wissen auch nicht in 1001 Wiki oder Blog reinschreiben. Und das Umherziehen mit der 30% Keule von Abteilung zu Abteilung wird auch niemanden dazu bewegen, mit anderen sein Wissen zu teilen, wenn er befürchten muss, zu den „überflüssigen“ 30% zu gehören, die man entbehren kann. Und dann kommt der große Denkfehler erneut:

Over the past 15 years, using a combination of technology investments and process reengineering, they have substantially raised the productivity of transactional processes. Web 2.0 promises further gains, although the capabilities differ from those of the past technologies.

Hier schließt sich der Kreis. Wir haben Euch in den letzten 15 Jahren ständig das Geld für die Beratung rund um neue Technologien und das Reorganisieren von Prozessen aus der Tasche gezogen. Und wir können Euch noch mehr Gewinne ermöglichen, allerdings ändern sich die Fähigkeiten der neuen Technologien. Was soll so eine Aussage auslösen? Wir verlassen besser diese sinnentleerten Phrasen und schauen in den Olymp von McKinseys mentalen Produkten:

Und deshalb kommen nun Ratschläge von der Admiraliät höchstselbst:

1. Bottom-up als Alternative zum klassischen Roll-out benötigt die großen Tiere als Vorbilder. Erst wenn Vorstand und Geschäftsführung Blogs und Wikis nutzen, dann werden es auch andere Manager tun, was dann wiederum auf alle Mitarbeiter abfärbt. Der basisdemokratische Ansatz allein funktioniert nämlich nicht.

So löblich dieser Rat auch klingen mag, es geht am Thema vorbei. Die obere Etage ist Dilettant ist allen Themenbereichen. Außer  in zwei Dingen, Informationen in Muster einzupassen und auf der Grundlage der Muster Entscheidungen zu treffen, und anhand von Gesprächen zu erkennen, wer etwas möglicherweise gut machen würde und diese Person mit Rechten und Pflichten auszustatten. Was hat so eine Manager zu schreiben? Er hat kein Wissen oder Verständnis, das andere im Alltag nutzen könnten. Es gibt so wenige Mitarbeiter, die so eine Arbeitsplatzbeschreibung außer ihm oder ihr hätten. Wer aber nichts Tragendes mitzuteilen hat, wird in sozialen Netzwerken nicht als valide Quelle genutzt. Dort wird mit den Füßen abgestimmt. Manche Vorstände sind wirkliche Kommunikationstiere, die können das, aber es ist die Ausnahme. Insofern greift dieser Tipp zu kurz. Aber es gibt dafür zwei bessere und realistischere Lösungen…

2. Lassen Sie die Mitarbeiter entscheiden, welche Tools hilfreich sind und welche nicht. Helfen Sie beim Skalieren der guten Tools.

Ja. Das ist offenbar, dass die Menschen selbst am besten wissen, was zu ihren Aufgaben passt und was nicht. Wenn Sie die Chance haben, etwas auszuprobieren und nicht jederzeit 150% abliefern müssen mit absolutem Fokus auf Effizienz. An dieser Stelle würde ich gerne mit dem geneigten Leser in seinem Unternehmen eine Diskussion führen, ob und wie man Effektivität neu bewerten kann und zwar auf Kosten der Efffizienz. Es ist ganz einfach, man muss es nur machen. Ach ja, den Fokus auf Prozesse muss man dann auch sein lassen. Richtig gelesen: Einfach sein lassen.

3. Was im Alltag genutzt wird, ist auch langfristig effizient und hilfreich.

Am Beispiel Google will McKinsey zeigen, dass das Verteilen von Inhalten via Blog und Wikis eine sehr hilfreiche Form von Kooperation ist, da die Softwareingenieure auf diese Weise die Fortschritte ihrer Arbeit dokumentieren. Ja, also hier ist wieder das alte Mißverständnis, dass man mit Web 2.0 alles besser kontrollieren könne, da ja die Mitarbeiter ihre Refa-Bögen quasi selber ausfüllen. Dieser Ansatz ist dumm, falsch und schlicht destruktiv bei der gemeinsamen, flachen Kooperation in sozialen Netzwerken. Man müsste einsehen, dass sie angesprochenen Kontrollposten im mittleren Management völlig überflüssig sind bei einem realen Web 2.0 Arbeitsumfeld. Das ist aus Sicht von McKinsey sicher ein Denkunmöglichkeit. Aber angesichts eplorierender Daten und Informationsberge in sozialen Netzwerken ist Kontrolle sowieso unmöglich, weil Kontrolle nicht skaliert. Zumindest nicht zu einem vertretbaren Kostenaufwand. Daher muss man äquivalente zu SPAM einsetzen, das bedeutet es wird nur noch das Schädlich aussortiert. Alles andere ist Potenzial für inventives Gedankengut, dass eventuell in Innovation umschlagen kann, wenn hilfreich und nutzwertig ist. Das kann aber eine Zeit dauern, bis das entschieden ist. Der Umgang mit dem Aufbau  und Austausch komplexer Informationmengen und -tiefen ist nicht die Stärke von McKinsey.

Die restlichen 3 Ratschläge ergehen sich in Gemeinplätze à la management-by-karrotte hilft nicht, deshalb muss über incentives neu nachgdeacht werden und der ganze Sermon von Reputation statt Geld. Dann kommt ein ganz dummer Ratschlag, die richtigen Leute für den Einsatz neuer partizipativer Technologien zu suchen und McKinsey meint damit nicht etwas die am besten vernetzten Mitarbeiter sondern besondere Meinungsführer und wichtige Forscher im Haus. Dazu könnte man jetzt noch einmal 2000 Wörter schreiben. Und last, but not least kommt der Hinweis auf die Ängste der Mitarbeiter sowie der Rechtsabteilungen hinsichtlich dem unkontrollierten Wachsen von Inhalten aller Art im Intranet. Der infltionäre Hinweis auf die Unternehmenskultur greift auch hier zu kurz. McKinsey erkennt richtig, dass alle Zweifler fürh ins Boot geholt werden müssen, verkennt aber  das Promoten der Chancen für alle Beteiligten. Das Verbieten von anonymen Posts in Foren oder Blogs ist da ein denkbar schlechter Rat, da nur dort einige Ventile geöffnet werden können, die sonst in ganz andere destruktive Kanäle fließen, die weitaus kostspieliger sind als das Auseinandersetzen mit persönlichen Angriffen durch professionell geschulte Community Manager.